Akustikplatten »whisperwool« von Tante Lotte Design

Schafe für drinnen

Filzplatten aus Schafswolle schlucken nicht nur Schall, sondern nehmen auch einen hohen Grad an Feuchtigkeit auf, absorbieren Gerüche und neutralisieren Giftstoffe wie Formaldehyd. Damit eignen sie sich bestens für eine Verwendung im Altbau.

Als Baumaterial hat Wolle momentan noch Exotenstatus – obwohl ihre Verwendung ökologisch sinnvoll ist. Denn in Europa fällt Wolle massenhaft als Abfallprodukt an, weil hiesige Schafe in erster Linie als Fleisch- und Milchlieferanten und zum »Mähen« steiler Wiesen dienen. Ihre Wolle ist zu grob und für Kleidung völlig ungeeignet, daraus gefertigte Pullis sind eher kratzig und rau. Bisher landete die geschorene Wolle meist im Müll oder in der Verbrennung, erst seit einigen Jahren werden auch Dämmstoffe daraus hergestellt.

Die Firma Tante Lotte Design aus Innsbruck entwickelt nun Akustikelemente aus Tiroler Schafwolle. Dafür wird die Wolle gewaschen und farblich sortiert. Nach dem Beimischen eines Mottenschutzes und einer Bindefaser, z. Zt. PE, wird die Wolle mittels Erhitzen in Platten verpresst: »whisperwool« bietet einen Schallabsorptionsgrad αw bis zu 0,9 und gehört damit in die höchste Absorptionsklasse.

Darüber hinaus bieten die Platten weitere nützliche Eigenschaften: Wolle kann nahezu ein Drittel ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, sodass sie ein ausgewogenes Raumklima unterstützt. Außerdem filtert sie Giftstoffe aus der Luft – gerade bei Sanierungen ein Vorteil –, ist schmutzabweisend und selbstreinigend, allergiefrei, verbessert die Nachhallzeit und ist recyclebar.

Die Akustikplatten lassen sich sägen, mit dem Cutter schneiden, bohren, fräsen oder mit CAD gesteuerten Oszillationscuttern in Form bringen. Da sie für abgehängte Decken entwickelt wurden, können sie auf einer hölzernen Unterkonstruktion einfach mit Nägeln befestigt werden, die Nagelköpfe verschwinden dabei in der Wolle. Die Platten sind bieg- und faltbar, jedoch bis 40 cm Spannweite so eigensteif, dass sie nicht durchhängen. Werden sie aneinandergefügt, entsteht ein nahezu fugenloses, ruhiges Deckenbild.

Auch mit Musterprägung ist whisperwool erhältlich. Neben den von Designer Horst Philipp entworfenen Varianten mit stilisierten Lilien, Punkten oder grafisch angeordneten Rechtecken können auch Kundenwünsche realisiert werden, etwa um auf die Ornamentik eines Altbaus zu reagieren.

Als Ergänzung bietet der Hersteller eine umfangreiche Produktpalette: »Wandschafe«, »Klebeschafe« und »Fensterschafe«. Die Wandschafe sind bereits fertig auf einem schwarzen Holzfaserrahmen mit Hinterdämmung montiert, wodurch sich die Schallabsorption noch erhöht. Wie ein Bild können Sie einfach aufgehängt werden. Im Gegensatz dazu bringen die Klebeschafe ihre Befestigung schon mit, sie werden direkt auf einer planen Fläche vollflächig aufgeklebt. Die Fensterschafe kommen überall dort zum Einsatz, wo große, glatte und stark reflektierende Flächen akustisch verbessert werden sollen. Auch sie verfügen über eine Kleberückseite, können aber durch den glatten Untergrund jederzeit wieder entfernt werden.

Die Standardplatte von whisperwool gibt es im Format 90 x 90 x 1,2 cm, bei den anderen Produkten kommen noch 45 x 45 cm und 45 x 90 cm hinzu. Alle sind in den drei Standardfarben anthrazit, silbergraugrau und naturweiß erhältlich. Sie entstehen aus der Wolle von grauen, braunen, schwarzen und weißen Schafen. Für größere Projekte können auch individuelle Töne eingefärbt oder Sondermaße gefertigt werden. Auch Bedrucken von whisperwool ist möglich. Zuschnittreste aus der Verarbeitung auf der Baustelle nimmt der Hersteller zurück und lässt sie wieder in den Produktionskreislauf einfließen. ~ra

www.whisperwool.at