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Remise in Berlin-Pankow
Ruppig-elegant wohnen

Aus einer Schlosserei in einem Hinterhof in Pankow hat Klaus Roth zwei Wohnungen gemacht. Sein Umbau bewahrt trotz radikaler Eingriffe den Werkstattcharakter und zeigt, wie sich auch Brandwände zur Belichtung von Innenräumen nutzen lassen.

~Thomas Geuder

Ohne den Hit »Sonderzug nach Pankow« von Udo Lindenberg wäre der Berliner Bezirk sicher nur wenigen Menschen außerhalb der Stadt bekannt. Denn dort findet sich ein recht unauffälliger Mix aus Wohnen, Arbeiten, Restaurants und Grünflächen, oft als Blockrandbebauung mit Gebäuden in zweiter und auch dritter Reihe. So auch in der Wollankstraße, wo im zweiten Hinterhof eine alte Schlossereiwerkstatt seit gut 30 Jahren im Dornröschenschlaf schlummerte. Ein provisorisches Notdach schützte die Gründerzeit-Mauern vor der Witterung.

2016 begann der Berliner Architekt Klaus Roth damit, das Gebäude umzunutzen. Sein Ziel war, den markanten Industriebau in ein Wohnhaus zu verwandeln, ohne die äußere Erscheinung wesentlich zu ändern. Tatsächlich blieb v. a. die Fassade aus gelbem und rotem Backstein erhalten, während das Bauwerk ansonsten entkernt, das Fundament unterfüttert und das UG um ca. 60 cm tiefergelegt wurde, damit dort die Raumhöhe auf 2,50 m wachsen konnte. Darüber wurden anschließend neue Stahlbetondecken eingezogen und die Zimmertrennwände gemauert (lichte Höhe nun: 2,90 m). Das neue Treppenhaus verläuft entlang der Brandwand und führt vom Keller bis hinauf zur Dachterrasse, zu der ein dreiteiliges, elektromotorisch betriebenes Schiebefenster Zugang gewährt. Im UG, das zusätzlich über eine außenliegende Treppe erreichbar ist, befinden sich ein Weinkeller, Nebenräume und ein separates Büro. Im EG dann die gemeinschaftlichen Räume der Hauptwohnung, außerdem ein kleines Apartment mit separatem Eingang. Die privaten Räume liegen im OG. Weil die Hauptfassade nach Nordosten orientiert ist, wurden neue Fensteröffnungen in die Brandwand geschlagen, um mehr Sonnenlicht einzufangen. Breite Betonrahmen um die F90-Festverglasung machen den Eingriff ablesbar. Auch eine T-förmige Stütze anstelle eines Wandstücks zur Terrasse hin bringt zusätzliches Licht in den Innenraum. Alle neuen, zweiflügligen Stahlfenster sind mit Wiener Sprossen und Isolierverglasung versehen. Auf die Vergangenheit des Gebäudes als Werkstatt reagieren die meist rohen Materialien, die eine reduziert elegante, mitunter ruppige Atmosphäre erzeugen: der Boden aus geschliffenem Estrich, die Decken in Sichtbeton, die Mauerwerkswände des Bestands unbekleidet und kantig belassen. Ergänzt werden sie durch Feinputzoberflächen, Lärche-Vollholztüren und Einbauten aus Glas und Stahl. Für den Komfort sorgt eine Fußbodenheizung im EG und OG. So ist in dem rund 28 m langen und nur 5,80 m breiten Gebäude schlussendlich eine Wohnfläche von 386 m² entstanden.

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