Startseite » Bauen im Bestand » Projekte »

Wohnhaus in Bern (CH) von Sollberger Bögli Architekten

Wohnhaus in Bern (CH)
Abgeschirmt und doch präsent

In einem Villenviertel südöstlich der Innenstadt versteckt sich in zweiter Reihe ein Einfamilienhaus, das komplett umgekrempelt wurde. Aufgestockt und mit einer neuen Holzfassade bekleidet, wirkt es jetzt wie ein Pavillon im Garten der Vorderhäuser.

Wer südöstlich der Berner Altstadt durch das Quartier »Gryphenhübeli« spaziert, sieht vom Jugendstil beeinflusste Villen, die sich die Oberschicht um 1900 in ausgedehnte Gärten bauen ließ. Ein wenig aus der Reihe fiel bis vor Kurzem ein gedrungenes, biederes Einfamilienhaus: 1967 als Nachzügler im Landhausstil errichtet, erreichte es nicht die architektonische Qualität der Nachbarhäuser. Punkten konnte es dagegen mit seiner ruhigen, versteckten Lage in zweiter Reihe und der mittigen Platzierung auf dem großen, grünen Grundstück, maximal entfernt von der umgebenden Bebauung.

Statt einen Ersatzneubau zu realisieren, schmiedeten die Bauherren und Sollberger Bögli Architekten daher bald Umbaupläne. Weil alle benachbarten Häuser und Gärten hochgradig geschützt sind, wurde das Projekt eng von der Denkmalpflege, der Stadtbildkommission und Stadtgrün Bern begleitet. Die massive Bauweise von UG und EG wies eine gute Struktur und Raumaufteilung auf und ließ sich deswegen weitgehend unverändert erhalten. Anders verhielt es sich mit dem DG, in dem sich nur eine spärlich ausgebaute Einliegerwohnung ohne materiellen Wert befand. Die Planer setzten darum ein komplett neues OG in vorfabrizierter Holzbauweise auf den bestehenden Sockel. Der fast quadratische Grundriss des Hauses legte keine Hierarchisierung der Fassaden nahe; so entstand die Idee, das gesamte Gebäude einheitlich in Holz zu kleiden und mit umlaufenden Balkonen schlicht, zurückhaltend und trotz großer Fensterflächen eher introvertiert zu gestalten. Dies kam dem Anliegen der Denkmalpflege entgegen, das neue Volumen, das größer als mancher geschützte Nachbarbau ist, in den Hintergrund treten zu lassen. Eben diesem Aspekt ist auch der schimmernd schwarz lasierte Farbton der Fassade geschuldet, der den Baukörper optisch verkleinern soll. Hinzu kommt der dunkle außenliegende Sonnenschutz aus Stoff, der leicht schräg gestellt in komplett geschlossenem Zustand die Form eines Walmdaches evoziert. Zugleich verschafft er den Bauherren mehr Privatheit auf der oberen Etage, wo die Wohnräume der fünfköpfigen Familie untergebracht sind.

Erschlossen werden diese über die enge Bestandstreppe des Hauses, deren massive, in die Wände eingespannte und geschliffene Kunststeinstufen unbedingt bewahrt werden sollten. Um die Enge des Treppenkerns noch zu betonen, ist er komplett in Schwarz gehalten. Oben angekommen, weitet sich im Kontrast dazu der Raum auf in eine großzügige Diele; ein Oberlicht und geschosshohe Eichentüren mit Profilglasfüllung, die in die umliegenden Gemeinschaftszimmer führen, verbreiten angenehme Helligkeit.

~Tanja Feil

Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
1 Berliner Architektin Helga Blocksdorf entwirft »Erlebnisportal Weimar«
Temporärer Bau
Anzeige