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Umbau des Rieckshofs bei Klosterwalde von Helga Blocksdorf

Rieckshof bei Klosterwalde
Wohldosierte Extroversion

Die weite Landschaft verlangte einfach nach einer Öffnung des Bauwerks, als Helga Blocksdorf einen Stall zum Fotostudio verwandelte. Ein präzise platziertes Großfenster und drei tanzende Dachgauben reichten aus, um den Innenraum völlig umzukrempeln.

Für viele ist die Stadt der beste Ort auf der Suche nach dem Glück. Andere wiederum suchen bewusst die Abgeschiedenheit, in der man bei sich selbst ankommen kann und eine intensive Verbindung zur Natur erfährt. So wie eine Stylistin und ein Fotograf, die – beide in der Welt herumgekommen – vor fast 20 Jahren abseits des Uckermark’schen Dorfs Klosterwalde einen alten Dreiseitenhof aus der Zeit um 1850 in malerischer Umgebung inmitten einer Seenlandschaft erwarben. Nachdem sie das Haupthaus behutsam umgebaut und modernisiert hatten, war nun das Nebengebäude an der Reihe, ein ehemaliger Stall, der mit wenig Budget in ein Fotostudio als temporärer Arbeitsort transformiert werden sollte. Diese Bauaufgabe verlangte zunächst, eine gewisse räumliche Introvertiertheit zu erzeugen, um die professionelle und konzentrierte fotografische Arbeit vor einer Leinwand-Hohlkehle zu ermöglichen. Gleichzeitig aber sollte eine offene und extrovertierte Atmosphäre für Besprechungen, Workshops oder Events geschaffen werden.

Gemeinsam mit der Architektin Helga Blocksdorf aus Berlin entschied man sich daher zu kleinen baulichen Interventionen, die den Raum gezielt justieren. Wichtigster Eingriff dabei war die Öffnung der dicken Bruchsteinwand mit einer Diamantsäge genau gegenüber des Stalltors und in gleicher Abmessung. Damit gelingt es, einen großzügigen, gefassten Bezug zur hügeligen Weite der Landschaft herzustellen. Links daneben, fast in der Mitte des Hauses, führt eine neue hölzerne Treppe zum DG mit Umkleide, Schlafkojen und Speicher. In der Dachfläche sind Gauben in unterschiedlichen Höhen angeordnet, durch die viel natürliches Licht eindringt. Das bereits 2010 ausgewechselte Dach – ein Nagelbinder-Fachwerk mit 50 mm dicken Hölzern und einem Achsmaß von rund 95 cm – liegt auf einem ebenfalls damals eingebrachten, aussteifenden Stahlbetonringbalken. Die spielerisch-skulpturale Treppe im EG sowie ein konstruktiver Unterzug mit lisenenartigen Stützen vor den Außenwänden markieren die räumliche Trennung von Arbeits- und Aufenthaltsbereich. Neben einem langen Tisch und einer Küchenzeile finden sich hier außerdem die Nassräume (zwei Toiletten und eine Dusche), geschickt versteckt in einem hellen, wandschrankartigen Raummöbel. So ausgestattet wird das Haus auch als Ferienwohnung vermietet, in deren baulicher Rauheit mit ablesbaren Transformationsschichten und kraftvollen Umgebung man Raum zur Kontemplation finden kann.

~Thomas Geuder

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