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Kulturbahnhof KUBAA in Aalen

Kulturbahnhof KUBAA in Aalen
Leuchtturm statt Lokwerkstatt

In diesem Projekt begegnen sich Aalener Industriegeschichte und Bauformen des 21. Jahrhunderts. a+r Architekten haben dabei die historischen Gebäudefragmente behutsam integriert und einen kulturellen Hotspot für die schwäbische Kreisstadt geschaffen.

Das »Stadtoval« ist ein auffälliger Bereich im Grundriss der schwäbischen Kreisstadt Aalen, mit prägender Historie: Seit 1866 befand sich hier die »Königliche Locomotivwerkstätte«, die ein entscheidender Motor für die Industrialisierung der Ostalb war und Aalen zu einem wichtigen Bahn-Knotenpunkt machte. Mit der Elektrifizierung des Zugverkehrs Mitte der 50er Jahre allerdings kam das Aus für das Werk, eine Firma für Baustahl übernahm den Standort. Im Jahr 2000 musste auch diese schließen, seitdem lag das rund 4 ha große Gelände brach.

Nach einigen Investorenwirren und einem Großbrand wurde für das Areal schließlich ein (nicht offener) Wettbewerb ausgelobt, aus dem 2015 a+r Architekten als Sieger hervorgingen. Der Bauherr, die Stadt, wünschte sich einen strahlkräftigen »Leuchtturm für den Bereich Kultur und Kreativität«, mit Kino, Theater, Musikschule, Sälen für Kulturveranstaltungen sowie Gastronomie. Der historische, nicht denkmalgeschützte Gebäudebestand sollte dabei möglichst einbezogen werden, um die Identität des Quartiers zu wahren. Die Architekt*innen ließen die baulichen Reste zunächst vollständig entkernen, die Sandsteinfassaden handwerklich aufwendig reparieren und Fehlstellen ergänzen. Die glattere Oberfläche der Füllstücke macht dies ablesbar. Wo ganze Fassaden fehlten, stehen heute leicht modifizierte Nachbauten aus eingefärbtem Sichtbeton als Zitat. Im OG wurden ehemalige Holz-Verblendungen um die Fenster durch Weißbetonrahmen neu interpretiert. Ganz anders der Dachstuhl des Mitteltrakts: An seine Stelle tritt jetzt ein eingeschossiger Quader für die Räume der Musikschule und Theaterwerkstätten, der mit tuchartig gefaltetem Lochblech großzügig bekleidet ist und leicht genug wirkt, um den massiven Altbau darunter optisch nicht zu erdrücken. Assoziationen an einen Bühnenvorhang sind ebenso möglich wie an moderne Industriebauten aus Wellblech.

Der Innenraum der ersten beiden Stockwerke wird definiert durch eingestellte Raumkuben, die Abstand zum Bestand wahren und ihn dadurch erlebbar machen. Erklärtes Ziel war es, mit historischen Komponenten wie dem Mauerwerk, den Rundbogenfenstern und der sichtbaren Dachkonstruktion ein authentisches und eigenständiges Ambiente für die unterschiedlichen Kulturstätten zu gestalten und eine Beziehung zwischen den Industriearchitekturen des 19. und des 21. Jahrhunderts herzustellen. So steht der KUBAA für das Wiederbeleben und Fortführen der Chronik dieses geschichtsträchtigen Ortes.

~Thomas Geuder

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