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Glaszentrum in Meisenthal (F)

Glaszentrum in Meisenthal (F)
Miteinander verschmolzen

Rund um eine ehemalige Glashütte in den Vogesen sind ein Museum und Kunstzentrum entstanden. Mit kraftvoller Gestik verbindet eine gewölbte Betonplatte die alten Baukörper zu einer Einheit und vermittelt zwischen unterschiedlichen Geschosshöhen.

Wegen ihrer natürlichen Rohstoffvorkommen gelten die Nordvogesen als begünstigte Region für die Herstellung von Glas. So entstand auch in Meisenthal bereits 1702 eine Glashütte, die bis 1969 in Betrieb war und eng mit dem Namen des Kunsthandwerkers Emile Gallé verknüpft ist, der als bekanntester Vertreter des französischen Jugendstils gilt. Rund sechs Jahre nach dem Produktionsende gründeten ehemalige Arbeiter am einstigen Industriestandort ein Museum, seit 1992 existiert dort zudem das Internationale Glaszentrum CIAV, das sich der Bewahrung des traditionellen Wissens der Glasbläserei und moderner Glaskunst verschrieben hat.

Dank einer Förderung aus regionalen Strukturfonds der Europäischen Union konnte das Areal in den vergangenen vier Jahren weiter ausgebaut werden: Neben dem bestehenden Glas- und Kristallmuseum und dem CIAV entstanden die Glashalle Cadhame als Ausstellungs- und Veranstaltungsort, ein Besucherzentrum mit Boutique und Café-Restaurant sowie ein neues Verwaltungsgebäude. Die Architekten von SO-IL (New York) und Freaks (Paris) verwendeten dabei einen Großteil der auf dem Gelände bereits vorhandenen Bausubstanz und brachen nur wenig davon ab. Gleichzeitig verbanden sie alle Baukörper über eine Art fliegenden Teppich aus Beton miteinander; dieser vermittelt einerseits zwischen den vielen unterschiedlichen Niveaus der einzelnen Gebäudeteile, andererseits bildet er in der Mitte einen gefassten öffentlichen Platz aus, der sich auch für Aktionen unter freiem Himmel nutzen lässt. Der teilweise begehbare Betondeckel wurde vor Ort gegossen, in Anlehnung an die ähnlich ablaufende Glasproduktion – noch heute kann man im CIAV über eine Galerie den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen.

Die ehemalige Fabrikhalle erhielt einen neuen Zugang über ein vormals ungenutztes UG; so lässt sich der darüber liegende, mehr als 2 400 m² große, stützenfreie Raum optimal mit Kunstausstellungen und Kulturveranstaltungen jeglicher Art bespielen. An seiner Ostseite bauten die Architekten zusätzlich eine Black Box ein, die wahlweise als separates Theater mit bis zu 500 Sitz- oder 700 Stehplätzen dient oder, zum Saal hin geöffnet, als Konzerthalle für maximal 3 000 Personen nutzbar ist.

Sämtliche Interventionen sind in Beton und Stahl ausgeführt und somit als zeitgenössische Ergänzungen ablesbar. Im Zusammenspiel mit den roh belassenen Ziegelwänden der Altbauten und den Putzfassaden der etwas jüngeren Bestandsgebäude ergibt sich somit ein spannender Dialog aus Tradition und Moderne.

~Tanja Feil



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