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Drehtore aus Beton beim ehemaligen Schlachthof in Ostrava (CZ)

Ehemaliger Schlachthof in Ostrava (CZ)
Drehtor aus Beton

Der Umbau eines denkmalgeschützten Schlachthofs zur Galerie macht Ernst mit dem Anspruch, Kunst leichter zugänglich zu machen: Die Fassade lässt sich über betonierte Drehtore weit öffnen, sodass neugierige Besucher eingeladen sind einzutreten.

Der Ostrauer Schlachthof wurde 1881 mit dem Ziel erbaut, die bis dahin üblichen Hausschlachtungen aus hygienischen Gründen zu verbieten. Stattdessen wollte man einen zentralen Ort für selbstständige Schlachter mit Kühl- und Lagermöglichkeiten anbieten. Allerdings musste das Gebäude bereits 10 Jahre später schon wieder erweitert werden, da die Bevölkerung des bis dahin kleinen Städtchens rasant wuchs, der regionale Kohleabbau und ein Stahlwerk versprachen Arbeit. Nach und nach entstand ein großes Schlachthofareal, das bis 1965 in Betrieb war. Ab diesem Zeitpunkt – der Schlachtbetrieb war in ein neues Gelände übersiedelt – verfiel die Anlage zusehends. Versuche, die Gebäude durch den Verkauf an einen Baumarkt zu erhalten, scheiterten. Also erwarb die Stadt das Areal 1995 zurück und schrieb einen internationalen Wettbewerb zur Umgestaltung aus.

Da sich Stadt und das Siegerbüro Petr Hájek nicht auf eine Zusammenarbeit einigen konnten, sollte nun der Entwurf des Architekturbüros KWK Promes aus Katowice (PL) mit Robert Konieczny realisiert werden. Ein wesentliches Element von Koniecznys Entwurf ist die Öffnung des Gebäudes zur Umgebung über große Drehtore aus Beton, die Teile der ursprünglichen historischen Fassade nachbilden. »Dank eines speziellen Mechanismus‘ können sich die schweren Wandelemente drehen und die Ausstellungsräume nach außen hin öffnen. Die Künstler haben damit völlig neue Ausstellungsmöglichkeiten erhalten und die Kunst kann buchstäblich in den Raum um das Gebäude hinausgehen, der ebenfalls zum Ausstellungsbereich wird«, sagt Architekt Konieczny über das Projekt.

Die Fassaden waren der bautechnisch anspruchsvollste Teil des Umbaus, da dort der große Eingriff in die historischen Mauern stattfinden sollte. Der Verbindungsmörtel war extrem porös, sodass das Mauerwerk erst mittels Injektionen wieder stabilisiert werden musste. Auch die schlechte Qualität des Untergrunds war ein Problem. Er setzt sich aus Aufschüttungen als Überbleibsel des Kohleabbaus zusammen, war teilweise kontaminiert und musste abgetragen werden. Dabei kamen ehemalige Wandteile und Fundamente zutage, die nun ebenfalls ausgestellt werden.

Die besondere Konstruktion der großen Drehwände erforderte also eine statische Ertüchtigung: Nach detaillierten Berechnungen wird nun die Bestandsfassade von einer zusätzlichen Stahlkonstruktion gestützt, die wiederum auf eigens eingebrachten Mikropfählen gründet. Das Gebäude ist mit festen Messpunkten ausgestattet und wird permanent geodätisch überwacht. Um das Erscheinungsbild der Ziegelfassade zu erhalten, kamen sowohl alte Backsteine eines Abrisshauses als auch eigens manuell angefertigte Steine zum Einsatz. Deren Oberflächen wurden zum Teil nachträglich noch bearbeitet, um den Farbton anzupassen und einen gewissen »used look« zu erreichen. Die Türen, Möbel, Wandflächen und Böden im Innern erhielten eine Beschichtung mit Spachtelmasse in der Farbe von hellem Beton.

Für Kunst und Öffentlichkeit

Nun wird der historische Schlachthof von der Galerie für zeitgenössische Kunst »Plato« genutzt. Neben fünf Ausstellungssälen gibt es Räume für die Verwaltung, ein Café, Schulbildungsprogramme und Vorträge. Jeder Saal lässt sich einzeln bespielen, die drehbaren Wände erlauben es aber auch, alle Räume miteinander zu verbinden.

Der Außenraum ist ebenfalls Teil der Umgestaltung. Rasenflächen und Blumenwiesen werden angelegt, Kräuter und Sträucher gepflanzt. Es entsteht ein Naturbiotop mit Bäumen und Trinkbrunnen. Außerdem finden dort die historischen Betonelemente, die bei den Aushubarbeiten entdeckt wurden, ihren neuen Platz.

~Petra Ralle

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