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Bühne frei für die Verwaltung!

Stadtteilzentrum in Antwerpen (B)
Bühne frei für die Verwaltung!

Das Atelier Kempe Thill hat ein ehemaliges Konzerthaus zu einem Bürgerservicezentrum mit Amtsstuben, Café und Veranstaltungsraum umgebaut. Verlorengegangene Details des klassizistischen Gebäudes zeigen sich jetzt in moderner Interpretation.

Sie hat bewegte Jahre hinter sich: Als die Konzerthalle »de Harmonie« 1846 eröffnet wurde, zeigte sie sich als klassizistischer Prachtbau, der sich großzügig zum davorliegenden Garten öffnete. 1890 wurde sie historistisch überformt, 1922 als Ausstellungshalle umgenutzt und 1979 zur Diskothek umgebaut – der Bezug zum Außenraum ging dabei völlig verloren, weil man die Fassaden verbarrikadierte. Im Innern schlug man einiges an Stuckdekor ab und verhängte das Gewölbe der Halle mit einer niedrigen Akustikdecke.

Als die Architekten des Ateliers Kempe Thill nun eine erneute Umnutzung planten, dieses Mal als Bürgerservicezentrum mit Café und Veranstaltungsraum, nutzten sie die Chance, dem Bau wieder mehr seiner ursprünglichen Qualitäten zurückzugeben. In Abstimmung mit der Denkmalpflege entfernten sie spätere Anbauten und klärten die Volumetrie. Weil die originalen Fenster größtenteils verloren gegangen waren, setzte man eine vereinfachte Neuinterpetation in die Öffnungen: 4 m hohe, verglaste Doppelflügeltüren aus Holz. Die Farbgestaltung der Fassaden orientiert sich am Spektrum des Klassizismus. Dem vorhandenen dunkelgrauen Sockel aus Kalkstein wurden mittelgraue Fenstertüren und hellgrauer Putz zur Seite gestellt, die zusammen mit dem meist bewölkten flämischen Himmel eine harmonische »Rhapsodie in Grau« ergeben.

Im Innern entfernte man die abgehängte Diskodecke und restaurierte das alte Gewölbe samt Stuck. Da an den Wänden und Pfeilern keine Ornamente mehr erhalten waren, entwarfen die Architekten ein neues Interieur, das den klassizistischen Saal mit heutigen Mitteln nachempfindet. Terrazzo bedeckt den Boden und zieht sich als Fertigteile die Wände hinauf – mal in Form einer Sitzbank, mal als Bekleidung nach Art einer Vertäfelung. Die alten Holzpfeiler tragen eine Ummantelung aus Terrazzo, die oben in einem kubischen Kapitell endet und antike Vorbilder abstrahiert. Und selbst die Saaltüren bestehen aus diesem Material, nicht nur die Einfassungen, sondern sogar die Flügel. Für die Nutzung als Bürgerzentrum wurden Schalter und Gesprächskabinen als Einbaumöbel aus Eiche frei in den Raum gestellt. Sie lassen sich abschließen und teilweise zur Seite schieben, wenn Veranstaltungen wie Konzerte stattfinden.

Dieser großzügige Umgang mit der vorhandenen Halle war nur möglich, weil das Konzerthaus über einen weitgehend versteckten Verbindungsbau an zwei Nachbargebäude angeschlossen wurde. Sie nehmen Verwaltungs- und Nebenräume sowie ein Café auf und halten den Saal frei von funktionellen Zwängen.

~Christian Schönwetter

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