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Culinarium Alpinum im Kloster Stans (CH) von Rothen Architektur GmbH

Culinarium Alpinum im Kloster Stans (CH)
Der Geschmack der Alpen

Was tun mit verwaisten Klöstern, von denen es immer mehr gibt? Eine neue Nutzung zu finden, ist nicht leicht. In Stans versucht man es mit einem Zentrum für Alpenkulinarik – ein raffiniertes Raumprogramm, das wie für den Bestand geschaffen scheint.

Das ehemalige Kapuzinerkloster am südlichen Ortsrand von Stans wurde 1583 errichtet, doch heute ist es wesentlich geprägt vom großen Umbau 1907/1908 und einer Erweiterung 1924. Elemente der Ursprungsbauten finden sich nur noch im Klosterkeller. In den anderen Geschossen sind interne Erschließungsgänge mit der Abfolge der Zellentüren, die Treppenhäuser sowie einige Zellen mit Täfelung vom Beginn des 20. Jahrhunderts in gutem Zustand erhalten. Die ehemalige Bibliothek bildet mit den Treppenhäusern ein zusammenhängendes, gestalterisch wertvolles Ensemble. Originalfenster aus dieser Zeit sind teilweise noch intakt, sogar stellenweise mit den alten Vorfenstern, ebenso wie die gestaltprägenden Fensterläden an der Ostfassade aus der Zeit von 1928. Nach dem Auszug der Kapuziner stand das Gebäude lange leer.

Nun hat es mit dem »Kompetenzzentrum des kulinarischen Erbes der Alpen« eine neue Bestimmung erhalten. Kochkurse und Seminare, Verkauf und Gastronomie ergänzen sich gegenseitig und beleben die Anlage. Für die Vielzahl unterschiedlich großer Räume mit unterschiedlichem Charakter fand man auch eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen. Das Refektorium im EG wandelte sich zum Restaurant mit 70 Innenplätzen. Im Klosterladen mit seiner wuchtigen alten Holzdecke können Spezialitäten der Alpen gekauft werden, parallel dazu wird in den Kellergewölben Käse angeboten und es finden Degustationen statt. Schulungen und Ausstellungen füllen die Räume in den Obergeschossen, ergänzt durch Studierzimmer, in denen es sich in Ruhe arbeiten lässt. Die früheren Zellen bekamen moderne Bäder und bieten den Besuchern mehrtägiger Seminare eine Übernachtungsmöglichkeit mit 14 Schlafplätzen. Die ehemalige Bibliothek im 2. OG dient jetzt als Fest- und Bankettsaal. Von dort führt ein neuer Steg direkt in den oberen Teil des leicht abfallenden Geländes, um den Garten attraktiv anzubinden. Vor dem Haus entstand ein großer Kiesplatz für Märkte und Kultur und mit Außensitzplätzen für den Gastraum. Im Garten selbst werden seltene Gemüse- und Nutzpflanzen des Alpenraums experimentell angebaut. Und die Kirche? Sie ist nicht Teil des Culinariums. Der Verein Kapuzinerkirche Stans hat sich dieses Gebäudeteils angenommen, der nach wie vor für Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen genutzt wird.

Das Umbaukonzept stammt von Rothen Architektur GmbH. Je repräsentativer die Raumnutzung, desto größer die Sanierungstiefe, wobei das ursprüngliche Erscheinungsbild des Klosters so gut wie möglich bewahrt wurde. So blieb etwa beim Zusammenlegen einiger Zellen zu großzügigen Doppelzimmern mit Bad die alte Raumaufteilung ablesbar, historische Elemente wie Vertäfelung, Türen und Holzböden wurden behutsam instandgesetzt. Neu eingefügte Bauteile bestehen stets aus unbekleideten Materialien, die an die Einfachheit des früheren Klosterlebens anknüpfen. Und sie heben sich deutlich sichtbar vom Bestand ab, etwa der rohe Stahl als Treppengeländer oder Toilettentür.

~Petra Ralle



Mehr umgenutzte Klöster finden Sie in der kommenden gedruckten Ausgabe von db-Metamorphose im September 2022.
Bild: Maja Wirkus

Im niedersächsischen Örtchen Rehburg-Loccum erhielt das Kloster Loccum einen neuen Flügel mit Bibliothek.

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