Startseite » Bauen im Bestand » Projekte »

Busbahnhof Zvonarka in Brünn (CZ) von CHYBIK + KRISTOF

Busbahnhof Zvonarka in Brünn (CZ)
Großstruktur der 80er Jahre gerettet

Ein langer Atem lohnt sich: 2011 hatten CHYBIK + KRISTOF in Eigeninitiative Vorschläge für eine vorsichtige Erneuerung des stark vernachlässigten Busbahnhofs von Brünn gemacht. Inzwischen durften die Architekten den Bau ganz offiziell modernisieren.

Wer mit dem Fernbus nach Brünn reist, wird jetzt wieder von einem einladenden Bauwerk empfangen. 1984 geplant und 1988 fertiggestellt, war es gleich nach dem Ende des Kommunismus privatisiert und von den Eigentümern nicht ausreichend unterhalten worden. So gab der Bau über viele Jahre ein desolates Bild ab – angesichts seiner gewaltigen Abmessungen von rund 100 x 110 m ein besonderes Problem für das Stadtbild, auch wenn er hinter dem Hauptbahnhof und einem neuen Shoppingcenter südlich des historischen Zentrums etwas abseits liegt. War das Gebäude von seinem Planer Radúz Russ ursprünglich als allseitig offene Struktur angelegt worden, so behinderten irgendwann seitliche Anbauten die Durchlässigkeit. Und Bauschäden warfen sogar die Frage nach einem Abriss auf.

Die ortsansässigen Architekten CHYBIK + KRISTOF erkannten das Potential des Gebäudes und unterbreiteten den Eigentümern Vorschläge für eine umfassende Modernisierung. Ihre Initiative erregte über die sozialen Medien eine breite öffentliche Aufmerksamkeit, führte zu Gesprächen zwischen privaten Interessenvertretern und öffentlichen Behörden und schließlich zu einer Anerkennung als europäisches Förderprojekt. Zehn Jahre später wurde der Busbahnhof nun nach einer Generalüberholung wiedereröffnet.

Zunächst einmal haben die Architekten die störenden seitlichen Anbauten weitgehend entfernt. Dadurch öffnet sich der Bau wieder stärker zur Umgebung und ist besser einsehbar. Zugleich erhält die große, von Stahlstützen und einem Raumfachwerk getragene Dachscheibe ihre elegante schwebende Wirkung zurück. Kaum zu glauben, dass auf ihr mehr als 70 Busse parken können; eine gewendelte Rampe führt auf der Rückseite des Gebäudes nach oben. Die eigentlichen Haltestellen liegen aber alle wettergeschützt auf Straßenniveau unter dem Dach. Dort nutzen 17000 Menschen täglich die 820 regionalen und internationalen Verbindungen. Statt der Anbauten schiebt sich ein neuer Empfangspavillon unter das Raumfachwerk, bleibt aber respektvoll auf Abstand. Als schlanker, an den Längsseiten vollverglaster Baukörper behindert er die Durchsicht nicht. Seine im Aufriss geschwungene Form – wie ein Gummiband scheint jemand ein Stück Boden nach oben gezogen und dann die Räume für Infoschalter, Ticket- und Wartezonen darunter geschoben zu haben – lässt sich als gestalterischer Verweis auf den dynamischen Fluss von Verkehr und Passagieren auffassen. In jedem Fall gibt sich der Pavillon als Kind unserer Tage zu erkennen und verleiht dem Neuanfang am Busbahnhof Ausdruck.

Das alte Stahlfachwerk ließen die Architekten entrosten und weiß streichen. Weil der offene Raum unter der großen Dachscheibe bislang recht düster wirkte, wurde eine Vielzahl von neuen Strahlern installiert, die nicht nur die Verkehrsflächen ausleuchten und das Sicherheitsempfinden stärken, sondern auch die Stahlkonstruktion effektvoll in Szene setzen. Statt wie in einem Schmuddeleck hinterm Hauptbahnhof dürfen die Fahrgäste sich jetzt beinahe wie in einem Flughafen fühlen.

~Christian Schönwetter

Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
Dachterrassen – Gefälle und Entwässerung
1, 2 oder 3?
Anzeige
/* ]]> */