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Sauerbruch Hutton stocken Metropolitan School Berlin auf
Stadtkrone aus Holz und Kupfer

In der Spandauer Vorstadt wurde die Metropolitan School Berlin erweitert. Wie die Kupferhülle des Aufsatzes mit den Ziegelornamenten des Plattenbaus harmoniert und welche Innenräume die skulpturale Aufstockung birgt, hat sich Jürgen Tietz vor Ort angesehen.

Sanft nach vorne gewölbt, legt sich die Aufstockung von Sauerbruch Hutton auf die Metropolitan School Berlin. Die kupferverkleidete Holzkonstruktion bekrönt einen Typenbau der Schulbaureihe 80, Typ Erfurt, der 1987 zur 750-Jahrfeier Berlins in der Spandauer Vorstadt zwischen Tor- und Linienstraße entstanden war. Wer je die Platten in Greifswald oder Rostock sah, der erkennt unschwer die formale Verwandtschaft. Mit roten Ziegelornamenten sollten optische Kleinteiligkeit und ein Bezug auf regionaltypische Materialien das standardisierte Plattengeschäft der späten DDR auffrischen.

In den letzten Jahren haben sich Sauerbruch Hutton mehrfach durch inspirierende Holzbauten in Hamburg (Woodie) und Köln (Immanuelkirche) profiliert. Auch in Berlin bot sich der derzeit besonders beliebte Baustoff an. Einerseits, da die Tragfähigkeit des Bestandsgebäudes kaum zusätzliches Gewicht zuließ. Anderseits, weil die Baumaßnahmen zwischen 2014 und 2020 während des laufenden Schulbetriebs stattfanden. Da waren Leichtigkeit und hoher Vorfertigungsgrad der Holzkonstruktion zielführend. Das Rotbraun der Fassadenbekleidung aus Kupfer schafft dazu eine farbliche Anbindung zum Ziegel. Außerdem wird die ursprünglich unterschiedliche Geschossigkeit des Schulkomplexes durch die teils ein-, teil zweistöckige Aufstockung optisch und funktional zusammengebunden.

Im Innern fließen Alt und Neu fast nahtlos ineinander. Dominierend ist die Wirkung des Holzes, das weitgehend im Rohbaustandard belassen wurde und lediglich eine weiße Lasur erhielt. Der einbündige Grundriss erlaubt eine seitliche Belichtung der breiten Flure, die eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Die Klassen- und Kursräume, jeweils mit Türgriffen nach Entwurf von Sauerbruch Hutton versehen, werden durch zwei Bibliotheken ergänzt, die sich an unterschiedliche Altersgruppen der Schüler wenden. Zu den Höhepunkten im Raumerlebnis zählt zum einen die Dachterrasse des Pausenhofs für die Oberstufe. Von einem hohen Glasgeländer eingefasst, bietet sich von dort eine weltgewandte Perspektive über die Dach-, Turm und Kuppellandschaft der Berliner Mitte. Zum anderen ist da das doppelgeschossige Auditorium für 1200 Besucher auf dem Bauteil zur Linienstraße, der seitlich um ein zusätzliches Fluchttreppenhaus ergänzt wurde. In der Aula bestimmen die hohen und 16 Meter weit spannenden Holzträger den halb organischen, halb expressiv anmutenden Rhythmus. Eine feine schmale Treppe führt auf die rückwärtige Galerie, die sich lässig zur Bühne hin abtreppt. Glücklich, wer in diesem Raum der Metropolitan School Berlin seine Klausuren schreibt, wer Theater spielt und schließlich das bestandene Abitur feiern darf.

~Jürgen Tietz


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