1 Monat GRATIS testen, danach für nur 6,90€/Monat!
Startseite » Bauen im Bestand »

Jugendtreff in Wiesbaden von A-Z Architekten

Jugendtreff in Wiesbaden
Bewahren und verändern

Von erhöhter Warte die Umgebung beobachten – dies können junge Menschen in einem früheren Stellwerk, das jetzt als Treffpunkt dient. A-Z Architekten ergänzten den rauen Charme alter nackter Mauern mit einer ökologisch ambitionierten Hülle.

Als das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs in Wiesbaden-Dotzheim im Jahr 2008 neu bebaut wurde, blieb als alleinige Reminiszenz an die einstige Nutzung das Stellwerk stehen, ohne dass eine konkrete Planung vorlag. Für die in der Größe überschaubare Immobilie interessierte sich aber schon seit Längerem der örtliche, gemeinnützige Verein CASA, der hier am Übergang zum Neubaugebiet einen idealen Ort für einen Kinder- und Jugendtreff sah. Zehn Jahre später konnte schließlich mit dem Umbau begonnen werden. In A-Z Architekten aus Wiesbaden fanden die Bauherren einen Partner, der den Erhalt alter Bausubstanz und die Wiederverwendung gebrauchter Materialien inzwischen als Teil seiner Bürophilosophie betrachtet. Das schlichte Raumangebot des kantigen Verkehrsgebäudes, konnte ohne große bauliche Veränderungen für die neue Nutzung übernommen werden. Das massive Bestandsmauerwerk dient weiterhin als Tragstruktur, musste allerdings mit Hilfe eines Injektionsverfahrens gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt werden. Für einen zeitgemäßen Wärmeschutz sorgt eine gedämmte hinterlüftete Fassade aus heimischen Fichtenhölzern, unbehandelt und rau, mit Altbeständen ergänzt.

Aus dem einstigen Heizraum und dem Aufenthaltsbereich im EG wurde ein Multifunktionsraum mit einer Küchenzeile. Zusammen mit einem neugestalteten Eingangsbereich, einschließlich der sanierten WC-Anlage, findet sich hier jetzt der Mittelpunkt des Treffs. Wem das zu unruhig ist, der kann sich ins OG zurückziehen. Der kleine Raum der ehemaligen Steuerungswarte ist mit einer Sitz- und Liegelandschaft ausgestattet, von der aus ein Rundumblick in die freie Landschaft neu erlebbar wird. In der warmen Jahreszeit lässt sich der Raum auf die neuentstandene Dachterrasse erweitern. Als Absturzsicherung dient die über die Attika hinausgezogene Fassadenverschalung, sodass die Dachterrasse von der Straße nicht einsehbar ist.

Innen bleibt das zuvor gereinigte Mauerwerk mit all seinen Unvollkommenheiten schonungslos sichtbar. Alte Farbschichten wurden aus Respekt vor der Geschichte bewusst erhalten. Dort, wo neue Oberflächen an Decken und Wänden nötig waren, kamen Grobspanplatten ins Spiel. Aus demselben Material wurden auch die individuell angepassten Möbel getischlert, ebenso die Innentüren. In Verbindung mit dem matten Zementestrich am Boden entsteht ein stimmiges Bild, das trotz des »unfertigen« Zustands erst auf den zweiten Blick offenbart, mit wie viel Leidenschaft und Engagement in Bezug auf Nachhaltigkeit und Kosteneinsparung die Architekten hier ans Werk gegangen sind.

~ Cornelia Krause

Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
Anzeige