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Ev. Gemeindesaal in Kaiserslautern

Ev. Gemeindesaal in Kaiserslautern
Mangel als Konzept

Ein äußerst knappes Budget erlaubte bayer | uhrig architekten keine großen Sprünge, als sie den Saal der Luthergemeinde Kaiserslautern sanierten. Doch mit einem raffinierten Farbkonzept ist es gelungen, Bestandselemente ganz neu in Szene zu setzen.

Der in den Nachkriegsjahren massentauglich gewordene und frei formbare Baustoff Beton bot den Architekten in den folgenden Boomjahren des Kirchenbaus ein wahres Eldorado künstlerischer Ausdrucksformen, fernab tradierter Sichtweisen. Über die erste Euphorie hinaus fehlte es jedoch an Langzeiterfahrung mit dem neuen Baustoff. Heute ächzen die Gemeinden unter der Last des Unterhalts, was in vielen Kirchen zu einem massiven Sanierungsstau führte. Mit diesem Problem sah sich auch die Luthergemeinde in Kaiserslautern konfrontiert. Für eine komplette Sanierung des 1960 gebauten Gotteshauses nach heutigem Standard fehlt schlicht das Geld, was schon die eine oder andere Nutzungseinschränkung nach sich zog.

Eine Übergangslösung sahen die Verantwortlichen im angrenzenden Gemeindesaal (Baujahr 1966), dessen Bauzustand zwar auch erhebliche Mängel aufwies, bei dem eine Sanierung aber trotz weiter sinkender Einnahmen finanzierbar schien. Dem beauftragten, ortsansässigem Büro bayer | uhrig architekten sind Bauaufgaben dieser Art mit geringem Budget sehr vertraut. Tatsächlich war es auch hier so, dass der Großteil der veranschlagten Bausumme von 300.000 Euro in die Ertüchtigung der Grundstruktur floss: angefangen von der viel zu gering dimensionierten Dachkonstruktion, über die verglaste Südwestseite bis hin zum in Teilen abgesackten Fundament, das den Fußboden in eine gefährliche Schräglage versetzte. Für die Neugestaltung des Innenraumes blieb vom Budget kaum mehr als der Griff zu Pinsel und Farbe und viel Fantasie. In der Farbwahl ließ sich das Architektenpaar von den bunten Glasfenstern in der Apsis inspirieren. Das rauchige Blau betont ihre Besonderheit, während die große Längswand des Saals in ein zartrosa getaucht wurde. Da aus Kostengründen die alten Rippenheizkörper nicht ausgewechselt werden konnten, bedienten sich die Architekten eines Kunstgriffs. Sie ließen die technischen Objekte nicht schamhaft in der Wandfarbe verschwinden, sondern sparten sie aus, um sie mit der etwas verloren wirkenden Tür und den weit oben liegenden Fenstern mittels weißer Farbe zu einer Einheit zusammenzubinden, was schließlich zu der ungewöhnlichen Flächenaufteilung führte.

Die alte Deckenbeleuchtung in Form der eiförmigen Glaskörper blieb als Reminiszenz an den ursprünglichen Zustand erhalten. Für die Gottesdienstnutzung kann die Apsis über eine Falt-Schiebetür geöffnet werden. Diese Auffaltung wiederholt sich noch einmal an der gegenüberliegenden Wand als dekoratives Element. Den Mangel zum Konzept zu erheben, dafür gebührt den Architekten großes Lob.

~Cornelia Krause

Standort: Barbarossaring 26, 67655 Kaiserslautern
Bauherr: Gemeinde Lutherkirche
Architekt: bayer | uhrig Architekten
BGF: 300 m²
BRI: 1400 m³
Baukosten KG 300-600: ca. 213.000 Euro brutto
Farben: Brillux

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