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Mit Abwärme heizen. Potenzial im Südwesten liegt bei 500.000 Haushalten

Potenzial im Südwesten liegt bei 500.000 Haushalten
Mit Abwärme heizen

Bild: clipdealer

Mit der Nutzung von Abwärme aus Industrie und Gewerbe könnte Baden-Württemberg rund 10 % der privaten Haushalte im Land mit Raumwärme und Warmwasser versorgen. Musterverträge erleichtern es jetzt, Anbieter und Abnehmer zusammenzubringen.

In zahlreichen Produktionsprozessen von Gewerbe und Industrie fällt Abwärme an. In Baden-Württemberg ist die Menge aufgrund der starken Industrie besonders groß. Das theoretische Potenzial der industriellen Abwärme liegt im Land bei rund 5,4 bis 9,3 Terawattstunden pro Jahr. Dies zeigt eine Studie zur Abwärmenutzung in Unternehmen im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg. Der gesamte Wohngebäudebestand benötigt 70 Terawattstunden. Rund 10 % der 5,3 Mio Haushalte in Baden-Württemberg könnten also theoretisch klimaschonend mit Raumwärme und Warmwasser aus Abwärme versorgt werden.

Doch oft entweicht die Abwärme aus industriellen Prozessen in die Umgebung. Dabei wird die Energie zum Ersatz fossiler Energieträger etwa in Gebäuden dringend benötigt. Der Gebäudesektor wird immer noch zu rund 75 % mit Öl und Erdgas beheizt. Die Abwärmenutzung ist also nicht nur ein wichtiger Schritt in Sachen Klimaschutz, sondern trägt auch dazu bei, sich vom Import fossiler Brennstoffe aus lupenreinen Diktaturen zu befreien. Für das Energiekonzept eines Gebäudes wirkt sich Abwärme wegen ihres niedrigen Primärenergiefaktors positiv aus. Vor allem bei Denkmalen oder anderen schwierigen Bestandsbauten, die sich nicht gut dämmen lassen, kann es sinnvoll sein, einen etwas höheren Energieverbrauch zu akzeptieren, wenn dieser regenerativ oder zumindest CO2-arm gedeckt wird.

Beide Seiten, die Abwärme liefernden Unternehmen und die Abnehmer, etwa Stadtwerke oder Energiedienstleister, können von einer Zusammenarbeit profitieren: Für die Stadtwerke fallen keine zusätzlichen CO2-Emissionen sowie nur ein geringer Verbrauch an Ressourcen und Flächen an. Durch die Erweiterung seines Angebots um CO2-freie oder -arme Abwärme kann das Unternehmen sein Image verbessern. Außerdem können die Partner Kühlkosten für das Unternehmen einsparen. Denn in vielen Fällen muss die anfallende Abwärme aktiv weggekühlt werden, eine Abwärmenutzung kann dies zumindest zum Teil unnötig machen. Darüber hinaus besteht in manchen Fällen sogar die Möglichkeit für Unternehmen, sich mit einem Wärmeverkauf eine neue Einnahmequelle zu erschließen – abhängig von Qualität und Verfügbarkeit der Abwärme.

Im badischen Kehl funktioniert es

Die Badischen Stahlwerke in Kehl machen gerade vor, wie zwei Seiten von der Abwärmenutzung profitieren können: Die Wärme, die das Unternehmen in dem Stahlwerk am Rhein erzeugt, soll ab 2026 nicht nur der Stahlproduktion dienen, sondern auch grenzüberschreitend in die Fernwärmenetze von Straßburg eingespeist werden. Die Wärmetrasse über den Rhein wird rund 4,5 Kilometer lang sein. Auch Kehl selbst bekommt Wärme geliefert. In der ersten Ausbaustufe können bis zu 80 Gigawattstunden Wärme bereitgestellt werden – genug, um rund 7.000 Haushalte zu versorgen. Etwa 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr werden dadurch vermieden. Die Idee für das Projekt kam vom Umweltministerium Baden-Württemberg. Es hatte das Vorhaben gemeinsam mit der Klimaschutz- und Energieagentur KEA-BW und den Partnern vor Ort vorangetrieben.

Hürde für weitere Projekte senken

Doch nicht alle Projekte sind so erfolgreich wie das im Westen Baden-Württembergs. Häufig verpufft die Wärme und ihr ökologisches und wirtschaftliches Potenzial bleibt ungenutzt. Eine Ursache sind die notwendigen Abstimmungen zwischen Lieferanten und potenziellen Abnehmern. Von der KEA-BW entwickelte Musterverträge senken nun diese Hürde. Die neuen Musterverträge können per E-Mail oder Telefon bei der KEA-BW bestellt werden: anders.berg@kea-bw.de, Tel. +49 (0)172 299 6615. Die Landesenergieagentur bietet zum Thema auch eine kostenlose Beratung an. Weitere Informationen zur Abwärmenutzung: www.kea-bw.de/waermewende/wissensportal/waermenetze.

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