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Bergbauernhof in Kirchbichl (A) von Benjamin Eder

Bergbauernhof in Kirchbichl (A)
Flickwerk vom Feinsten

Mit ortstypischen Materialien und alten Handwerkstechniken, aber in neuer Formensprache hat Benjamin Eder einen 300 Jahre alten Bauernhof umgebaut. Das Ergebnis: gemütlich, aber nicht rustikal; authentisch, aber nicht museal.

Eine Baustelle auf 1100 m Höhe, nur über eine schmale, steile Straße erschlossen, für schwere Fahrzeuge unerreichbar: Beim Umbau eines Bergbauernhofs oberhalb des Brixentals schieden manche Lösungen von vornherein aus; ein Betonmischer beispielsweise hätte es nie bis auf das Grundstück geschafft. Die Planung des Münchner Architekten Benjamin Eder setzt daher auf punktuelle Eingriffe in handwerklicher Ausführung, die sich sowieso besser mit einem 300 Jahre alten Denkmal vertragen.

Der Hof wird schon lange nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. In den 70ern hatte man ihn als reines Wohnhaus hergerichtet, die Tenne in kleine Zimmer aufgeteilt und das Innere im Geschmack der Zeit mit Teppichböden und Spaltklinkerbelägen ausgestattet. Für die jetzigen Bauherren hat Eder das Gebäude nun wieder stärker auf seine Ursprünge zurückgeführt. Die Tenne ist wieder als großer leerer Raum erlebbar, im Flur des OGs sind die alten Dielen freigelegt – inklusive der Fugen, durch die man hinab ins EG schauen kann – und in den Zimmern wurden neue Dielen eingebaut. Auf eine Dämmung konnte man im Interesse eines traditionellen Erscheinungsbilds sowohl innen als auch außen verzichten, da das Haus nicht ganzjährig bewohnt ist. Die Gebäudeteile, die in Blockbauweise errichtet sind, erhielten lediglich eine luftdichte Hülle, indem man die Spalten mit Hanf ausstopfte. Als ökologische Kompensation geschieht die Energieversorgung regenerativ über Tiefenbohrungen, Wärmepumpe und Fußbodenheizung. Durch letztere ließen sich Radiatoren vermeiden, die in den Innenräumen den Charakter eines alten Bauernhauses stören würden.

Zwei neue, übereinanderliegende Bäder entstanden auf bestandsschonende Weise: Ohne die alten Holzwände zu berühren, docken die Sanitärobjekte an einen freistehenden Schacht in der Raummitte an, der wie das Waschbecken und der Duschboden aus Nagelfluh gefertigt ist, einem regionaltypischen Stein.

Die meisten Ergänzungen sind in schwarzem Stahl oder Weißtanne ausgeführt. Bei kleineren Ausbesserungen in den Holzwänden wirkt das bisweilen wie Flickwerk, das aber mit konsequenter Logik neue Bauteile als solche kenntlich macht. Bei der Treppe ist aus diesen beiden Materialien eine filigrane Konstruktion entstanden, die den zentralen Flur nicht unnötig verstellt. Und bei den Fassaden wurden daraus Kastenfenster gefertigt, die mit Klapp- oder Schiebeläden in modern-reduzierter Gestalt lokale Tradition neu interpretieren. So hat das vielfach umgebaute Haus eine ablesbare weitere Schicht erhalten.

~Christian Schönwetter

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