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Volkstheater-München, München, von LRO

München
Volkstheater München

Volkstheater München
Foto: Roland Halbe, Stuttgart

~Jürgen Tietz

Wie baut man eigentlich ein neues Volkstheater? Die Antwort von Lederer Ragnarsdottir Oei aus Stuttgart, die sich zusammen mit dem Bauunternehmen Reisch aus Bad Saulgau in einem kleinen Wettbewerb durchgesetzt haben, lautet: so einfach wie nötig, um beim zumeist jungen Publikum keine Schwellenangst aufkommen zu lassen, und so schick wie möglich, weil Theater halt nicht nur auf der Bühne Inszenierung bedeutet.

In enger Abstimmung mit Christian Stückl, dem erfolgreichen Intendanten des Volkstheaters, entstand auf einem Teilstück des ehemaligen Münchner Viehhofs ein kraftvoller Ziegelbau. Überragt wird er von einem hohen Turm, dessen Aufschrift weithin sichtbar macht, worum es hier geht: »Volkstheater«. Daneben thront 30 m hoch der Bühnenturm wie eine Krone auf dem Neubau.

Eine Runde um das Haus zeigt, wie differenziert LRO den Baukörper in den Kontext eingebunden haben. Mit filigranen Betondetails nehmen sie liebevoll Bezug auf die angrenzenden Hallen der Nachkriegsmoderne, von denen man hofft, dass sie nicht verschwinden mögen, um geleckten Wohnneubauten Platz zu machen. Die Ziegelbauten der ehemaligen Schlachthofverwaltung, die der Münchner Stadtbaurat Arnold Zenetti im 19. Jahrhundert entwarf, werden nun von der Intendanz genutzt. Zwischen diese Altbauten und das neue Theater haben LRO einen Hof geschoben, der dem Haupteingang vorgelagert ist und durch einen markanten Bogen von der Tumblingerstraße aus erschlossen wird. Es ist ein stimmungsvoller Ort zum Ankommen. Ehe man von dort die schwungvoll bewegte Gebäudeskulptur betritt, lohnt ein Blick zurück auf die Rückwand des Altbaus. Dort, wo sich einst die Viehhallen anschlossen, wurden allerlei Zeitspuren erhalten – ein Lesebuch der Baugeschichte.

Im Innern überrascht der Theaterneubau durch seine Farbigkeit, bei der sich die Architekten des Kanons von Le Corbusier bedienen. Wer die Bauten von LRO kennt, weiß um ihre Liebe zum Detail. So auch in München. Das organisch geschwungene Treppenhaus mit seinem Spiel aus Form und Farbe lädt ein, genussvoll erschritten zu werden. Die Tresen im rückwärtigen Biergarten sowie bei der Pausentheke sind so delikat abgerundet wie betonglatt. Und die Leuchten im Zuschauerraum humorvoll-spielerisch aus schlichten Ton-Blumentöpfen gestaltet. In kurzer Bauzeit (2018-21) und im Kostenrahmen (rund 130 Mio. Euro) fertiggestellt, gelingt LRO mit dem Münchner Volkstheater der Balanceakt, den Charakter des alten Schlachthofareals zu bewahren und ihn mit einem schlicht schönen Theaterbau fortzuschreiben.

Standort: Tumblingerstraße 29, 80337 München
Architekten:
LRO, Stuttgart
Eröffnung:
Oktober 2021

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