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LWL-Museum für Kunst und Kultur

Münster
LWL-Museum für Kunst und Kultur

~Stefan Rethfeld

Fünf Jahre lang musste Westfalen auf sein großes Kunst- und Kulturmuseum verzichten. Zunächst wurde ein Erweiterungsbau von 1972/74 (Hans Spiertz / Kösters+Balke) entsorgt und der Altbau von 1908 (Hermann Schaedler) freigelegt. Volker Staab, im Jahr 2005 siegreich aus einem vom BDA Münster-Münsterland erzwungenen Architektur-Wettbewerb hervorgegangen, verstand die Aufgabe der Restrukturierung eines halben Innenstadtblocks unmittelbar am Domplatz von Beginn an als städtebauliche Herausforderung. Wie das Alte mit dem Neuen, das Außen mit dem Innen, das Urbane mit dem Stillen, das Alltägliche mit dem Erhabenen verbinden? Staab gelingt eine spezifische Baufigur, die sämtliche Räume, Blicke und Atmosphären neu verschaltet. Hauptelement ist hierbei eine Sequenz von vier Höfen: Auf einen stillen Vorhof folgt das Foyer als Verteilerraum mit stattlichen 14 m Höhe, sodann ein Patio und abschließend ein urbaner Vorplatz zur Fußgängerzone »Rothenburg« hin, den auch Restaurant und Ausstellungsräume des Kunstvereins säumen. Zum Domplatz mündet der Bau in eine Spitze und bietet eine besonders narrative Gegenüberstellung von Alt- und Neubau.
6 m hohe Schaufenster ermöglichen auch in den OGs Ausblicke zur vielstimmigen Nachbarschaft von Dom, Kurien und Geschäftshäusern. Einmal mehr zeigt Staab hier sein grundsätzliches (einst bei Axel Schultes verstetigtes) Interesse an szenografischen Raumfolgen.
Die 51 hintereinander geschalteten Räume auf einem Parcours durch Alt und Neu zeigen rund 1 000 ausgesuchte Exponate aus einer mehr als 1 000 Jahre reichenden Kulturgeschichte des Landes. So zurückhaltend das Material der Staab’schen Grundarchitektur, so kontrastreich erscheinen die einzelnen Ausstellungssäle: Sie überraschen mit farbigen Wänden. Nicht immer stärkt dies die Exponate. Dennoch halten sie den Weg lebendig – und erzeugen Neugier von Raum zu Raum. Es ist vollbracht; die Ausstellungsfläche wurde um 1 800 auf 7 500 m² erweitert, die Baukosten blieben bei errechneten 50 Mio. Euro, seit Ende September stehen die Türen erstmals wieder offen, die Welt ist um fünf Jahre älter geworden, das Museum hat sich derweil enorm verjüngt.
Standort: Domplatz 10, 48143 Münster Architekt: Staab Architekten, Berlin; Ausstellungsgestaltung: Space 4, Stuttgart Bauzeit: Mai 2009 bis August 2013 (Eröffnung: September 2014)
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