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Meiji Jingu-Museum

Tokio (JAP)
Meiji Jingu-Museum

~Ulf Meyer

Der Shinto-Schrein (Jingu) im Yoyogi Park ist dem Meiji-Kaiser gewidmet, der als Gründer des modernen Japans gilt und das Land Ende des 19. Jahrhunderts dem Westen gegenüber öffnete. Die Kultstätte feierte 2020 ihr hundertjähriges Bestehen. Sie ist die bekannteste in Japans Hauptstadt für den hatsumōde genannten Ritus, der Glück im neuen Jahr verheißt.

Kengo Kuma gilt als führender Vertreter einer Strömung der »nationalen« Seelensuche, in der die japanische Architektur ihre Wurzeln wiederentdeckt und dabei v. a. die Holzarchitektur neu erfindet – naheliegend also, dass er den Entwurf für das Meiji Jingu Museum lieferte.

Das Haus beleuchtet anhand von Kunstschätzen Schlüsselszenen der kaiserlichen Geschichte Japans. Im EG werden der Schrein selbst und Aspekte der Shinto-Religion vorgestellt, das obere Stockwerk bietet Raum für Dauer- und Sonderausstellungen. Zentrales Artefakt ist die prunkvolle Kutsche, in der Kaiser Meiji 1890 zur Unterzeichnung der japanischen Verfassung fuhr.

Kumas Gebäude erscheint zunächst wie eine Holzkonstruktion. Da die Tokioter Brandschutzbestimmungen für öffentliche Gebäude die Verwendung von Holz als tragendem Material verbieten, wurde ein Stahlskelett errichtet, dessen H-Träger zwischen den Flanschen mit Zypressen-Planken bekleidet wurden, »um die Schärfe des Tragwerks und die warme, sanfte Atmosphäre im Raum auszugleichen«, wie der Architekt es ausdrückt. Alle Räume bieten herrliche Panorama-Blicke in den saftigen Park, der bei dem ganzen Projekt die eigentliche Hauptrolle spielt.

Kuma setzte sich bei der Gebäudehöhe selbst enge Grenzen und teilte das Dach in kleinere Segmente mit schlanken Traufen und eleganten Dachüberständen. Er folgt dabei nicht den geschwungenen Linien des Nagare-Zukuri-Stils des Schreins, sondern der Form traditioneller Fußwalmdächer.

Da gemäß der Shinto-Religion Kami (Geister) in allen Teilen der »heiligen Natur« wohnen können, wurde ihr besondere Aufmerksamkeit zuteil: Die wenigen Bäume, die für den Neubau weichen mussten, wurden zu Möbeln und Oberflächen im Museum verarbeitet, u. a. zur Hervorhebung der wertvollen Ressourcen des Waldes und um die Waldgeister friedlich zu stimmen. Das Holz der Zelkove (Zelkova keaki) ist ohnehin Kumas bevorzugtes Holz, da es gleichmäßige Oberflächen ermöglicht, sich gut anfühlt und angenehm duftet, darüber hinaus feuchtigkeitsabsorbierende Eigenschaften hat und leicht zu Furnier verarbeitet werden kann.

Standort: 1-1 Yoyogikamizonocho, Shibuya City, JAP-Tokio 151-0052
Architekten:
Kengo Kuma & Associates, Tokio
Fertigstellung:
Februar 2020

https://www.meijijingu.or.jp/en/

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