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Heisei Chishinkan-Flügel des Nationalmuseums

Kyoto
Heisei Chishinkan-Flügel des Nationalmuseums

~Ulf Meyer

Auf dem Gelände des Nationalmuseums entstand anstelle einer Ausstellungshalle von 1966 (Entwurf: Keiichi Morita) ein neuer Flügel für die Präsentation von Kunstschätzen aus zwölf Jahrhunderten. Yoshio Taniguchi, spätestens seit seiner Erweiterung des Museums of Modern Art in New York 2004 weltweit als Meister der subtilen Museumsarchitektur bekannt, hat ihn als Antithese im rechten Winkel neben den Altbau gesetzt, der 1895 im Stil der französischen Neo-Renaissance in rotem Klinker erbaut worden war. Der Altbau steht für die Meiji-Zeit (das späte 19. Jahrhundert), der Neubau für die Heisei-Zeit, die mit der Thronbesteigung des aktuellen Kaisers Akihito 1989 begann. »Chishinkan« bedeutet aus der Vergangenheit zu lernen, um das Neue zu entdecken. Taniguchi hat einen Großteil des Raumprogramms (immerhin 17 000 m² Geschossfläche) in zwei UGs untergebracht, sodass sein Neubau nur 15 m hoch ist – genauso hoch wie der Altbau, auf den es sich zu beziehen galt.
Schon sein Vater Yoshiro (gestorben 1979) hatte beim Toyokan und dem Nationalmuseum für moderne Kunst (beide in Tokio) versucht, Architekturelemente aus Ost und West zu synthetisieren. Taniguchi Junior, der zuvor schon diverse Museen, darunter die Galerie der Horyuji-Schätze in Tokyo, gebaut hatte (1999), setzt diese Familientradition fort. Vor der Kalkstein-Fassade liegt eine große, offene Loggia aus Stahl, das Markenzeichen des Architekten. Dieser Portikus schafft eine wichtige Zwischenzone zwischen Innen und Außen, die sich in einem flachen Wasserbecken effektvoll spiegelt. Die Asymmetrie des Neubaus (der Eingang liegt am nördlichen Ende in der Achse des Südtors des Museumsparks) und die Verwendung von Milchglas, das wie japanische Shoji-Wände das Tageslicht gleichmäßig streut, sind typisch japanische Elemente. Die strikte, rechteckige Geometrie ist perfekt detailliert und verströmt dennoch eine ruhige, elegante Atmosphäre. Mit dieser »Architektur der Subtraktion«, in der jedes Element wesentlich ist und die dennoch bescheiden bleibt, hat Taniguchi nun auch in Japans kultureller Kapitale Kyoto sein Können unter Beweis gestellt.
Standort: 527 Chaya-cho, Higashiyama-ku, 605-0931Kyoto Architekt: Taniguchi and Associates, Tokio Eröffnung: September 2014
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