Startseite » Architektur » Kultur | Sakral »

Hans Christian Andersen-Museum, Odense, Kengo Kuma And Associates

Odense
Hans Christian Andersen-Museum

db0921NeuInOdense.jpg

~Ulf Meyer

Mit Kurven und Vegetation eine »weiche«, immersive Welt zu gestalten, diese Idee stand zu Beginn von Kengo Kumas Entwurf für ein Museum in Odense, das Hans Christian Andersens Märchen gewidmet ist. Kuma entwickelte geschickt eine »promenade architecturale«, die Kinder und Erwachsene in das Reich der Fantasie entführt. Rampen leiten serpentinenartig hinab in die Ausstellung. Über diese elegant geschwungenen Wege gelangen die Besucher in die Ausstellungshalle, in der sie eigene Pfade finden.

Der 1805 in Odense geborene Andersen ist der berühmteste Märchenautor der Literaturgeschichte. An vier Themen entlang führt die vom Londoner Büro event communication gestaltete Schau zu zwölf Märchen-Inseln. In einem der Räume schaut man von unten wie die kleine Meerjungfrau durch den gläsernen Boden eines Wasserbassins hinauf in das Tageslicht.

Es war ein kluger Schachzug von Kuma, das Museum unterirdisch in einen mit Hecken-Labyrinthen bepflanzten Hügel zu schieben. Diese grünen Wände formulieren begehbare Gartenräume. Nur fünf hölzerne Pavillons ragen über die grüne Null-Ebene hinaus. Belichtet wird die Ausstellungshalle von einem eingeschnittenen, versunkenen Garten. Er bietet einen »point de vue« entlang des Parcours, über den die Besucher in Andersens Welt abtauchen. Die Grenzen zwischen innen und außen, Realität und Fantasie verschwimmen. Diese Ambiguität ist die größte Stärke des Entwurfs.

Sein Museum sei eine »Landscape«, keine »Landmark«, so Kuma. Quelle der Inspiration waren die Fachwerkhäuser in der Altstadt von Odense. Als 2012 die Thriges Gade, die die Innenstadt brutal in zwei Teile geteilt hatte, geschlossen wurde, tat sich die Chance auf, mit einem Museumsgarten und einer Tramlinie die Wunden der Nachkriegszeit zu heilen. Diese Chance hat die Stadt ergriffen.

Die Holzkonstruktion der Pavillons besteht aus radial angeordneten Trägern aus Fichte. Sie geben den Räumen Haptik und Atmosphäre. Architektur, Landschaftsgestaltung und Ausstellungsdesign verbinden sich. Märchen sind weder linear noch transparent und Kumas fluide, dezentrale Architektur übersetzt derlei Phänomene, ohne Metaphern zu nutzen.

Standort: H. C. Andersen Haven 1, 5000 Odense C (DK)
Architekten:
Kengo Kuma and Associates, Tokio/Paris
Fertigstellung: Juni 2021

Tags
Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
1 Berliner Architektin Helga Blocksdorf entwirft »Erlebnisportal Weimar«
Temporärer Bau
Anzeige