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Berlin
Fellows Pavillon der American Academy

~Jürgen Tietz

Wer in diesem Glashaus sitzt, der will gewiss nicht mehr mit Steinen werfen. Warum auch? Der Blick aus dem neuen Pavillon der American Academy auf die repräsentative Villa der einst von Henry A. Kissinger, Richard C. Holbrooke und dem jüngst verstorbenen Richard von Weizsäcker gegründeten amerikanischen Forschungsinstitution in Berlin ist ebenso reizvoll wie die Aussicht auf den Wannsee oder in den weitläufigen Garten mit seinen mächtigen Baumkronen. Als zauberhaft erweist sich auch der kleine Stahl-Glas-Pavillon selbst mit seinem terrassenartigen Umgang. Regine Leibinger und Frank Barkow durften ihn im Direktauftrag der Akademie anstelle eines Vorgängerbaus im Garten platzieren. Seine ganz in weiß gehaltene Stahlkonstruktion schreibt das Miessche Farnsworth Haus fort, allerdings mit gewölbtem anstelle eines flachen Dachs. Die Dachfläche »folgt einer regelmäßigen Geometrie, die aus zweidimensional zueinander versetzten und gedrehten Geraden vier hyperbolische Paraboloide erzeugt«. Das sieht glücklicherweise weniger kompliziert aus, als es die Presseerklärung vermuten lässt. In überzeugender Selbstverständlichkeit ruht das Stahldach auf vier außenliegenden Stützen, in denen auch die Entwässerung geführt wird. Trotz der Materialschwere scheint hier alles vor Leichtigkeit zu schweben, die filigrane Konstruktion des Dachs ebenso wie der gesamte Pavillon, den eine schlanke Fuge vom Gartenboden trennt. So entsteht ein freundlicher Alien, der seinen Nutzern im Innern eine eigene Welt eröffnet mit sieben konzentrierten Studiolos sowie einer Teeküche. Boden und Trennwände sind aus duftendem Eichenholz. Die Arbeitszellen sind zwar klein, aber keineswegs klösterlich karg oder gar eng, sondern bieten Körper und Geist genügend Raum zur sinnenden Entfaltung. Und obgleich sie zu mindestens zwei Seiten hin verglast sind, sorgt die geschützte Lage des Pavillons im Garten für genügend Privatheit. Ein Schwatz in Flur oder Teeküche erscheint da weniger als Störung denn vielmehr als anregende Abwechslung. Dabei lassen sich dann auch die heiklen Detailstellen des kleinen Hauses genauer betrachten: gläserne Wände und Oberlichter, die jeweils sauber an die Stahlkonstruktion des Dachs anstoßen. Sollten sie der Schönheit des Orts wider Erwarten einmal überdrüssig werden, können sich die Gäste der Akademie mit Vorhängen abschirmen.
Ein wenig neidisch verlässt man diesen Ort der kontemplativen Stille, der fernab der Stadt einen kongenialen Platz zum Arbeiten bietet. Gewiss, es ist »nur« ein Pavillon. Aber einmal mehr fordert gerade die kleine Form die ganze Präzision auf dem Weg zur Preziose.
Standort: Am Sandwerder 17, 14109 Berlin Architekten: Barkow Leibinger, Berlin Fertigstellung: Januar 2015
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