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Wolfsburg
Porsche Pavillon

~Hartmut Möller

Es lag nahe, die Planer des mittlerweile 28 ha großen, im Jahre 2000 eröffneten Themenparks auch mit dem jüngsten Projekt der Autostadt Wolfsburg zu betrauen. Henn Architekten orientierten sich beim Entwurf des Markenpavillons augenscheinlich an der weltberühmten Silhouette des Porsche 911. Schon von Weitem sichtbar kragt die muschelartige Struktur 25 m weit über die artifizielle Lagunenlandschaft im Südosten der Anlage aus. Unter dem gewaltigen Dach verläuft entlang dem Gewässerrand eine aus Sitzreihen gestaltete Freitreppe, die mehrere Hundert Personen aufnehmen kann. Wirkt die Wellenform aus der Ferne zunächst wie eine Betonschale, entpuppt sie sich bei näherer Betrachtung und nach haptischer Erkundigung als in Edelstahl ausgeführte Außenhaut. 620 in einer Stralsunder Schiffswerft vorgefertigte Deckenbleche wurden vor Ort mit aussteifenden Spanten verschweißt. Dank abgeschliffener Nähte und der durch Bürstung mattierten Oberfläche zeigt sich der Bau vollkommen fugenlos. Doch die Anmut der einheitlichen Konstruktion ist nicht bloße Effekthascherei, sondern vielmehr als Reminiszenz an Porsches Tradition der Monocoque-Bauweise (franz. »einzelne Schale«) zu verstehen, die auf dem Prinzip des flächenaktiven Tragwerks basiert.
Den Eingang im »Auge« der Woge markiert ein Zitat Ferry Porsches, demzufolge er sich nach vergeblicher Suche zum Eigenbau seines Traumwagens entschied. Innen wird deutlich, dass der Zuffenhausener Sportwagenhersteller nicht unbedingt ein Vertreter der leisen Töne ist. Die rasante Linienführung setzt sich hier fort. In der beinahe komplett schwarz gehaltenen Rotunde (Inszenierung: hg merz architekten museumsgestalter) projiziert ein deckennaher, um 360° schwenkbarer Beamer Themenfilme entlang eines als Leinwand genutzten weißen Streifens. Begleitet werden die bewegten Bilder von einer Klangcollage und Motorengeräuschen; eine elliptische Rampe leitet zur tiefer gelegenen Präsentationsfläche. Unter ihr breitet sich als symbolische Entwicklungsgeschichte ein Schwarm aus 25 silbernen Fahrzeugmodellen im Maßstab 1:3 aus. Die Schar mündet im Zentrum des 400 m² großen Ausstellungsraums, wo drei aktuelle Originale zum Einsteigen einladen. Eine Treppe führt wieder hinaus ins Freie unter den Metallüberhang, wo man sich nach dem multimedialen Erlebnis inklusive Ohrenklingelns wie unter der Motorhaube eines Rennwagens fühlt.
Standort: Autostadt, StadtBrücke, 38440 Wolfsburg Architekten: Henn Architekten, München Bauzeit: August 2011 bis Mai 2012
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