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Hambacher Schloss / Restaurant

Neustadt (Weinstrasse)
Hambacher Schloss / Restaurant

~Rosa Grewe

Max Dudler hatte es nicht leicht in der Pfalz. Der Umbau des Hambacher Schlosses erschien den einen zu modern und radikal, den anderen zu piefig und altbacken. Dazu kamen gleich zwei Bauaufgaben auf ihn zu: die Sanierung des Schlosses, seiner Säle und Zugänge sowie der Neubau eines Gastronomiegebäudes neben dem Schloss. Besonders beim Umbau des Schlosses selbst, im Festsaal, im Siebenpfeiffersaal und beim Treppenaufgang, setzt Dudler auf dezente, schlichte Materialien; dunklen Stahl, Glas und Holz – ein sehr reduzierter Eingriff in das Alte. Streit gab es um die Holzdecke im Festsaal, die in den 80er Jahren auf Alt getrimmt eingebaut und nun von Dudler wieder entfernt und durch eine schlichte Stahldecke ersetzt wurde. Damit folgt sie, wie damals die rustikale Holzdecke, dem aktuellen Zeitgeschmack, gibt dem Alten dadurch aber wieder Raum: Sie verstärkt den Kontrast zu den historischen Sandsteinmauern mit ihren tiefen Fensterausschnitten und lenkt dadurch erst den Blick auf die Geschichte des Orts. Im Innern gelang der Umbau: Er ist weder piefig noch radikal, sondern behutsam, schlicht und angemessen. Für das Restaurant plante Dudler ein winkelförmiges Gebäude wenige Meter unterhalb des Altbaus. Seine Platzierung ist gut gewählt: Es begleitet die Auffahrt zum Schloss und begrenzt die Aussichtsterrasse, ohne die östliche und bekanntere Hauptansicht des Schlosses zu stören. Von Weitem jedoch, von Süden kommend, überschneiden sich die Gebäudeansichten, bilden eine gemeinsame Silhouette, v. a. weil Neu- und Altbau das gleiche Fassadenmaterial haben: gehauenen, bzw. gespaltenen Sandstein. Ein klarer Materialkontrast, wie er im Innern den Blick auf das Historische lenkt, hätte auch dem Äußeren, besonders der Silhouette, gut getan. Im Neubau nimmt Dudler das Bild der gerahmten Landschaft auf, das sich überall im Schloss durch die Fensterauschnitte in den meterdicken Wänden ergibt. Dafür schneidet er Öffnungen in die Neubaufassade, versetzt sie wie Puzzleteile zueinander und rahmt sie teilweise mit Holz. Doch die Prägnanz dieser Landschaftsbilder und der u. a. damit verbundene monolithische und erhabene Raumeindruck wie im Altbau werden im Neubau nicht erreicht, denn die Fenster haben nur wenig Tiefe und sind sehr dicht platziert. Das Innere wirkt recht heimelig, zumal das Restaurant sehr eng bemessen und vollgestellt ist. So kann der Neubau den direkten Vergleich mit dem Altbau nur verlieren. Das Ensemble aus Kontrastierendem im Schloss und Harmonisierendem im Neubau wirkt wie ein Kompromiss, der keine Seite absolut, aber jede ein bisschen glücklich macht.
Standort: Schlossstraße, 67434 Neustadt an der Weinstraße Architekten: Max Dudler, Berlin Eröffnung: April 2011
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