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Neue Strukturen im Brauereiviertel

Zentraler Platz in Kopenhagen greift Atmosphäre alter Backsteinbauten auf
Neue Strukturen im Brauereiviertel

Nachdem die Massenproduktion der Carlsberg Brauerei 2008 verlagert wurde, war es an der Zeit, das Quartier umzugestalten und Leben abseits von Hopfen und Malz einziehen zu lassen. Ein neues urbanes Viertel soll Wohnen, Arbeiten und Einkaufen miteinander verbinden. Im Rahmen der Neustrukturierung wurde auch ein zentraler Platz umgestaltet, mit neuer Bahnstation samt Vorplatz. Diesen zieren die Hagemeister-Pflasterklinker der Sortierungen »Liverpool«, »Atlanta« und »Odense«.

~Johannes Beusker;
Projektmanager bei Hagemeister

Backsteinhaus an Backsteinhaus – wie ein Zeugnis alter Tage stehen die historischen Gebäude im Kopenhagener Viertel Carlsberg, das zum Stadtteil Valby gehört. Viele von ihnen waren einst Teil eines großen Komplexes: der Carlsberg-Brauerei. Mitte des 19. Jahrhunderts war für den Unternehmer
J. C. Jacobsen klar: Die Brauerei-Produktion seines Vaters musste auf neue, moderne Beine gestellt werden. Als Ort für seine neue Brauerei wählte er die einzige
Erhebung der Umgebung, einen kleinen Berg in Valby, das damals noch ein Vorort Kopenhagens war. Die Brauerei nannte er nach seinem Sohn Carl »Carlsberg«. Nach und nach wurde der neue Stadtteil ausgebaut – es entstanden Villen, die heute teils denkmalgeschützt sind, Parkanlagen, Ställe und sogar ein Leuchtturm. Das Highlight ist bis heute das Elefanten-Portal, das gemeinsam mit dem dazugehörigen Turm das Wahrzeichen des Quartiers bildet: Vier Granit-Elefanten, die für Jacobsens vier Kinder stehen, flankieren ein Portal und tragen auf ihrem Rücken einen Turm, der früher u. a. als Hopfen-Silo diente.

Neu-Interpretation traditioneller Bauten

Der Stadtteil, der über 150 Jahre der Arbeitsplatz so vieler Anwohner war, sollte nun umgestaltet werden. Der Masterplan legte Wert darauf, dass die Tradition weiterhin erkennbar ist, jedoch auch moderne Aspekte und Anforderungen das Quartier zukunftssicher machen. Klassische Elemente sollten neu interpretiert werden, gleichzeitig galt es, neue Entwicklungstrends aufzugreifen und ein aktives urbanes Leben zu ermöglichen. So wurde aus der Mineralwasserfabrik ein Veranstaltungsort für modernen Tanz, die ehemalige Abfüllanlage steht jetzt Konferenzen, Kunstmessen und Konzerten offen. »Es ist ein aufstrebender, urbaner Raum mit vielen Menschen, Grünanlagen und einer besonders großen Artenvielfalt, was die Pflanzen dort angeht«, sagt Trine Trydeman vom Landschaftsarchitekturbüro 1:1 landskab.

Damit sich Wohnen, Arbeiten und Einkaufen perfekt verbinden lassen, wurde einer der zentralen Plätze umgestaltet. An der Bahnstation Carlsberg öffnet sich den Besuchern ein verkehrsberuhigter Bereich, der lediglich Fußgängern und Fahrradfahrern zur Verfügung steht. Für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer wurden die Flächen für Fahrradfahrer und Fußgänger mit verschiedenfarbigen Pflastersortierungen abgesetzt und so zoniert: »Der Platz ist ein Übergangsbereich für viele Menschen«, erklärt Trine Trydeman. »Das Pflaster greift die Bewegungen auf.« Rundungen statt gerader Linien zeigen die dynamische Leitung der Verkehrsströme und schmiegen sich gleichsam an den Verlauf der Bahnlinie an.

Platz schafft Atmosphäre und Identität

Die Architekten von 1:1 landskab nutzten für die Realisierung drei Sortierungen: Liverpool, Odense und Atlanta schmücken den Platz und geben ihm ein durchgängiges und stimmiges Erscheinungsbild. Dabei wurden die verschiedenen Bereiche nicht nur farblich voneinander getrennt, sondern unterschiedliche Verlegemuster sorgen auch für eine räumliche Trennung. Die rot-braun-graue Sortierung Liverpool markiert die Bereiche für Fahrradfahrer – der Fahrradweg und der Untergrund der Fahrradständer wurden damit gepflastert. Der Fahrradweg wurde dabei im Läuferverband gelegt, der die zügige Bewegung der Radfahrer aufgreift. Gemeinsam mit dem langen Format des Pflasterklinkers wird die Ebene gestreckt und mit Dynamik versehen. Die sandgelbe Sortierung Odense ist den Fußgängern vorbehalten. Ihre helle Farbe macht auch bei Dunkelheit deutlich, wo die sicheren Wege sind. Der Fischgrätverband suggeriert Ruhe und bildet einen stimmigen Kontrast zum Fahrbahnpflaster. Er wurde im 90-Grad-Winkel zur Fahrbahn verlegt und unterstützt die räumliche Trennung, indem er optisch einen Bruch herbeiführt. Die dunkle, anthrazitfarbene Sortierung Atlanta dient als sichtbares Element, das die Trennung beider Verkehrsräume zeigt. Alle drei Sortierungen harmonieren dank ihrer Kohlebrandakzente und Flammungen perfekt miteinander und geben dem neuen Platz eine moderne und gleichzeitig traditionelle Anmutung: »Das Pflaster ist nicht nur praktisch, sondern auch schön«, resümiert Trine Trydeman. »Der neue Platz schafft Atmosphäre und Identität.« Mit den drei korrespondierenden Hagemeister-Sortierungen ist es den Landschaftsarchitekten gelungen, die Neuplanung des Viertels zu unterstützen und gleichzeitig die traditionellen Elemente der alten Brauerei aufzugreifen.

Weitere Informationen:
www.hagemeister.de

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