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Kindertagesstätte der Georg-August-Universität

Göttingen
Kindertagesstätte der Georg-August-Universität

~Hartmut Möller

Wo Flora und Fauna sich ausbreiten, ist der Naturschutz oft nicht weit. Auf dem durchgrünten Nordcampus der Universität galt es, besondere Rücksicht auf den heimischen Feldhamster zu nehmen, in dessen Revier die Kindertagesstätte steht. Konsequenterweise wurde das Bauwerk deshalb regelrecht in die Erde eingegraben – durch Anböschungen an zwei Seiten wird es quasi zum Hamsterhügel. So trug der Hybrid aus Architektur und Natur während der Planungsphase den inoffiziellen Arbeitstitel »Dr. Urban und Mr. Hide«. Städtebaulich scheint er sich zu Füßen des nördlich gelegenen XLAB-Gebäudes geradezu wegzuducken. Nach Süden aber öffnet er sich fächerartig durch großzügige Panoramascheiben zum Landschaftsraum. Vor die Fassade gestellte, 1 m tiefe Betonrahmen tragen den textilen Sonnenschutz, dienen im Sockelbereich als Sitznischen und schließen oben als Balustraden des begehbaren Gründachs ab.
Despang Architekten verstehen ihren Bau als weiteren Schritt einer von ihnen angestrebten sogenannten postfossilen Architektur. Um eine thermische Selbstregulierung zu erreichen, wurde er in Betonfertigteilen ausgeführt, Wände und Decken nach Art eines Baukastensystems vor Ort zusammengesetzt. Die massiven Bauteile nehmen solare Energie auf, speichern diese und geben sie nachts verzögert wieder ab.
Im Grundriss beschreibt das 1,8 Mio. Euro teure Passivhaus ein Kreissegment in dem die Räume wie Tortenstücke abgeteilt sind. Die Schrägstellung der Wände mindert die akustische Härte der glatten Oberflächen. Die Zimmeranordnung folgt der Logik der ansteigenden Raumhöhe, so dass Haustechnik-, Sanitär- und Nebenräume im niedrigsten Teil des Horts liegen. Ein mit Oberlichtern ausgestatteter Spielflur bildet die kommunikative Zwischenzone zu den hohen Spiel- und Schlafräumen. Einbauten und Möbel aus geöltem Fichtennadelholz bilden einen warmen Kontrast zum Beton. Holztüren sind als Blockzargen bündig gesetzt, alle Wandanschlüsse rahmenlos verglast. Für den Boden wählten die Planer das in Kindergärten traditionell verwendete Material Linoleum, dessen eingestreute Aluminiumpartikel im schwarzen Belag wie der nächtliche Sternenhimmel funkeln.
Standort: Justus-von-Liebig Weg 6, 37077 Göttingen Architekten: Despang Architekten, Dresden/München/Tucson UoA Fertigstellung: Oktober 2010
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