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Wien (A)
Bibliotheks- und Seminarzentrum der BOKU Wien

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Universität für Bodenkultur Wien, Foto: © BOKU Medienstelle

~Wojciech Czaja

Man muss das Gebäude schon suchen, auf einem der dezentralen Universitätsgrundstücke, eingezwängt zwischen Institutsgebäude, Seniorenresidenz, Parklandschaft und Döblinger Friedhof. Kein Wunder also, dass das neue Ilse Wallentin-Haus der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) gar nicht erst den Anspruch erhebt, eine Landmarke zu sein, sondern sich berechtigterweise damit zufriedengibt, sich im Kleid einer nüchternen skandinavischen Holzschachtel zu präsentieren. Ästhetisch ist die Kiste allemal.

»Die Holzbauweise war bereits im Wettbewerb vorgeschrieben, und angesichts der 3 000 m² Nutzfläche, die wir unterbringen mussten, hatten wir wenig gestalterischen Spielraum«, sagt Christoph Falkner, Projektleiter bei SWAP Architekten, die das Projekt gemeinsam mit Delta Projektconsult realisierten. Die programmatischen Zwänge führten zu einer klaren Trennung der räumlichen Funktionen: In den unteren Geschossen liegen die großen, mitunter zusammenschaltbaren Bibliotheks- und Seminarräume, in den obersten zwei Stockwerken wurden die etwas kleinteiliger dimensionierten Institutsräumlichkeiten untergebracht. Die stockwerksübergreifenden Lisenen machen die Innenlogik auch im Außenraum nachvollziehbar.

In den halböffentlichen Geschossen beträgt der Raster 3,20 x 3,20 m. Die großen Kassetten an der Decke mit einer sichtbaren Trägerhöhe von 80 cm prägen den Raum atmosphärisch und verleihen ihm eine optische wie auch akustische Behaglichkeit, die mehr an einen gemütlichen Kindergarten denn an eine Hochschule erinnert – sehr sympathisch. Hinzu kommt eine auffallend geringe Brüstungshöhe, und so eignen sich die hölzernen Fensterbänke in 40 cm Höhe als Sitznische mit Blick ins Grüne.

Geplant wurde der BOKU-Holzbau als BIM-Modell mit den Softwares EVA und IVAN. Erfreulich, dass die Holzbauer von KLH und Stora Enso das Konstruktionsmodell übernommen und weiter ausgebaut haben. Es wurde nicht nur mit produktionstechnischen Attributen versehen, auch die fertigen Holzbauteile wurden mit Sensoren ausgestattet, die während Transport und Bauphase wertvolle Informationen zu Standort, Temperatur und Feuchtigkeitswert übermittelten. In weiterer Folge sollen die Daten für das Facility-Management herangezogen werden. Das ist integrale Planung in praktischer Anwendung.

Der Benefit: 9,1 Mio. Euro Nettobaukosten und 14 Monate Bauzeit, wobei der Holzrohbau nach gerade einmal sechs Wochen stand. Auszeichnung mit dem Zertifikat klimaaktiv Gold. Unaufgeregt und bombastisch gut. So muss Holzbau.

Standort: Peter-Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Architekten:
SWAP Architekten, Wien, mit DELTA, Wien
Bauzeit:
April 2019 bis Juli 2020

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