Zukunftsträchtiger Hybrid

Et voilà! Im hessischen Friedberg entstand vor einigen Monaten die erste (deutsche) Straßenbrücke in Hybridkonstruktion aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und Stahl (siehe auch db 2/2006, S. 70). Mit einer Länge von 27 m überspannt sie eine zweispurige Bundesstraße. Aufgrund ihrer Vorfertigung ließen sich sowohl die Bauzeit erheblich reduzieren als auch lange Verkehrsbehinderungen vermeiden. Das Pilotprojekt ist vor allem dem hessisches Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen zu verdanken. Für Entwurfs- und Ausführungsplanung war die König Heunisch Planungsgesellschaft KHP aus Frankfurt verantwortlich, die Konzeption, ingenieurtechnische Beratung und das Monitoring übernahm das Stuttgarter Büro Knippers Helbig.

Die 5 m breite Fahrbahntafel aus miteinander verklebten GFK-Trapezprofilen wurde wiederum mit Epoxidharz auf zwei Stahlträger geklebt und so steif mit ihnen verbunden. Durch den Verzicht auf Ortbetonrandkappen ist der Aufbau sichtbar. An den Seiten sind die Profile doppelt, in der Mitte nur einfach, dort beträgt die Fahrbahnplatte gerade mal 22,5 cm. Die Verbundlösung ist biegesteif an den beiden Beton-Widerlagern befestigt und mit einer 4,5 cm dicken Polymerbetonschicht mit reaktionsharzgebundendem Dünnbelag versehen.
Die Zulassungsversuche wurden am Institut für Tragkonstruktion und Konstruktives Entwerfen der Universität Stuttgart erbracht, deren »Steckenpferd« bereits seit langem GFK-Werkstoffe sind. Prinzipiell möglich ist auch, während der Produktion von GFK optische (zur Überwachung), lichtlenkende (Beleuchtung) oder piezoelektrische (Verformungsmessung und Längenanpassung) Fasern in den Werkstoff zu integrieren. Ob derartige Konstruktionen in – wenn auch ferner – Zukunft massivere Betonbrücken ablösen? Die Vorteile zumindest sind vielversprechend: GFK-Brücken sind wesentlich leichter und witterungsbeständiger gegen Frost oder Tausalze. Für die Friedberger Brücke geht man beispielsweise davon aus, dass in den nächsten fünfzig Jahren keine Unterhaltskosten entstehen. Dass als Hauptträger dennoch Stahl verwendet werden musste, resultiert aus der Spannweite, wegen der geringen Steifigkeit von GFK noch auf rund 15 m begrenzt – und natürlich aus den Kosten, denn trotz hoher Stahlpreise sind die GFK-Profile noch immer teurer. ~cf