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Wissenschaft Entwerfen

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Wissenschaft Entwerfen

~Roman Hillmann

So hieß eine von wesentlichen Kenntnissen und Überlegungen strotzende Tagung im November an der Universität Basel. Architekturentwurf ist keine Wissenschaft, war ihr Ergebnis, doch konnte Entwerfen als ver-wissenschaftlichter Prozess seit dem Ende des 19. Jahrhunderts greifbar werden: Jeder Architekt baut auf dem Wissen diverser wissenschaftlicher Disziplinen auf. Auch die »Mittel des Entwerfens«, etwa Computerprogramme, lassen es nicht zu, gegen in Forschungen erarbeitete Normen zu verstoßen. Darüber hinaus gibt es Parallelen zwischen Entwurf und Wissenschaft, etwa die klare Zielgerichtetheit in einem abgegrenzten Gebiet. Das Prozesshafte des Entwerfens, schließlich der Akt des Zeichnens selbst wurde als praxisorientierte, quasi experimentelle Lösungsfindung definiert. Doch geschieht diese Umsetzung »prekär«, die Vielfalt der möglichen Erfordernisse kann nur intuitiv überblickt werden. Auch spielt das künstlerische Gestalten eine Rolle, denn es gibt persönlich motivierte Präferenzen für bestimmte Ausformungen. Eine Definition als sowohl prozesshafter als auch wissenschaftlicher Vorgang scheitert auch im Bereich der reinen Funktionserfüllung, denn diverse Entwerfer kommen zu völlig unterschiedlichen Entwürfen, die jeweils den Anspruch erheben können, das Entwurfsproblem zu lösen. Schließlich wird das Entwerfen, da aufgrund der Vielfalt von Varianten Dissonanzen unter den am Entwurf Beteiligten entstehen, zu einem dynamischen und kreativen Prozess.
Die Leistungen der Architekten für die Gesellschaft sind grundlegend und vielfältig. Es fällt schwer, sie zu kategorisieren. Musste es also gerade Wissenschaftlichkeit sein? Diese Tagung wurde vorwiegend von Universitätsangehörigen besucht. Sie diskutierten letztlich, ob die Kategorie »Wissenschaft« für den Entwurf erlangt werden könnte, um an Forschungsförderungen, »Drittmittel«, heranzukommen. Ein Entwurf könnte dann sogar als Doktorarbeit gelten. In Basel wurde zwar keine Definition von Wissenschaft systematisch mit der Charakteristik des Entwerfens verglichen. Anhand der abgefragten Aspekte zeigte sich aber, dass es richtig ist, keine »Wissenschaft Entwerfen« anzunehmen. Durch die Anregungen schien mir aber, dass wohl verstärkt Arbeiten im Umfeld des Entwurfs – so das Aufbereiten typisierter Maße und Strukturen oder die Entwicklung von Software – als Wissenschaft anerkannt werden müssten. So, wie schon in den 60er Jahren praktiziert.
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