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»Wir hatten einen Traum …«

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»Wir hatten einen Traum …«

~Karl R. Kegler

Er habe seinen Chef nur ein einziges Mal mit schwarzer Fliege und im Smoking erlebt, erzählte Gottfried Böhms ehemaliger Mitarbeiter Dieter Basilius nach der Feier, die die Aachener Architekturfakultät in diesem Februar für den vielfach geehrten Kölner Baumeister ausrichtete: 1986 bei der Verleihung des Pritzker-Preises in London. Böhm, der mehr als zwei Jahrzehnte, von 1963 bis 1985, an der Technischen Hochschule in Aachen als Professor für Stadtbereichsplanung und Werklehre lehrte, war zur Festveranstaltung zu seinem 90. Geburtstag in jener Garderobe angereist, die seine Kollegen und Studenten am besten kennen: in Schal und grober Wolljacke. Volkwin Marg, der seinen Vorgänger auf dem inzwischen abgewickelten Lehrstuhl in einer sehr persönlichen Laudatio würdigte, stellte Böhms Wirken als Hochschullehrer heraus, der nicht nur Bauten, sondern vor allem Menschen geprägt habe: »Sie haben unendlich viele Apfelbäumchen gepflanzt.«
Peter Russell und Jan Pieper als Organisatoren des Festakts war das Kunststück gelungen, die Assistenten aus Böhms Wirkungszeit an der RWTH vollzählig wieder zu versammeln. Zu diesem persönlichen Charakter der Veranstaltung passte es, dass eine wenig »universitäre« Athenastatue – ein Werk des Künstlers Frank Popp – als Göttin der Wissenschaft auf dem Podium Wache hielt. Distanziertes akademisches Gebaren habe es im Lehrstuhl nie gegeben, so die übereinstimmende Erinnerung der ehemaligen Mitarbeiter, die Böhm in zehnminütigen Einzelstatements würdigten. Charakteristikum war die sich selbst immer wieder hinterfragende Arbeit an der besten Lösung, betonte Popp, der Böhm das einzige Exemplar einer »tabula gratulatoria« überreichte. Die Schwerpunkte der Entwurfsarbeit des Lehrstuhls, die in mehrere große Wettbewerbsarbeiten einflossen, illustrieren die intensive Auseinandersetzung mit damals innovativen Themen der Stadtentwicklung: Passage, Megastrukturen, Renaissance des Baublocks, Verdichtung. »Wir hatten einen Traum«, erinnerte sich Böhms langjähriger Assistent Werner Finke: »die Wiedergeburt der lebendigen nutzungsgemischten Stadt nach einer Ära der Funktionentrennung.«
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