Engere Wahl · Shortlist

Waschstraße · Carwash

Vielleicht liegt es daran, dass John Höpfner und Lydia Haack ihre ersten Berufsjahre in England verbrachten. Hier machten sie die Erfahrung, dass im Vergleich zu Kultur- oder Gewerbebauten der Industriebau als gleichwertige Bauaufgabe angesehen wird. Wenn ein solchermaßen angelsächsisch geschultes Berufsverständnis auf einen aufgeschlossenen bayerischen Bauherrn trifft, kann, wie sich bei der »Gläsernen Waschstraße« in Germering zeigt, eine bemerkenswerte Architektur herauskommen. Das fanden auch die Juroren des Balthasar-Neumann-Preises und nahmen die »Gläserne Waschstraße« in die Engere Wahl.

Eine bestehende Tankstelle an der Ortseinfahrt von Germering (westlich von München) galt es um Verkaufsräume, einen Betriebshof und eine Waschstraße zu erweitern. Um die Ortskante baulich zu fassen, entschieden sich die Architekten, die Waschstraße senkrecht zur Hauptverkehrsachse zu legen, auch um damit den Betriebshof zu verdecken und über den Einblick in die Waschhalle die Funktion des Gebäudes zu vermitteln. Der dreischiffige, verzinkte Stahlskelettbau ist 52 Meter lang, insgesamt 9,30 Meter breit, eingeschossig und mit einem Raum für Kompressoren und den Pumpensumpf teilunterkellert. Im Achsraster von 4,40 Meter bzw. 2,20 Meter an den Endfeldern wird ein eingespannter Rahmen mit Kragarmen in Längsrichtung zum Rahmenwerk verbunden und gründet auf einer Betonplatte. Parallel zur eigentlichen Waschstraße sind auf der einen Seite die technischen Komponenten der Waschanlage installiert und ist auf der anderen Seite der Waschstraße ein Kundengang vorhanden. Die Transparenz der Fassade setzt sich auch im Innern fort, sämtliche Trennwände sind verglast und erlauben es, beim Durchmessen des Kundengangs dem Tanz der Reinigungsstrahler und dem Ballett der Lammfellbürsten beizuwohnen. Eine raffinierte Inszenierung, lässt sich doch der knapp dreiminütige Reinigungsprozess somit direkt erleben. Nichts sorgt mehr für eine positive Kundenbindung als den vom Bauherrn selbst entwickelten Reinigungsmaschinen neuester Technologie bei ihrer Arbeit zuzusehen. Für den Baustoff Glas als Fassaden- und Innenwandmaterial entschied man sich aus ganz pragmatischen Gründen. Den aggressiven Umweltbedingungen (starke Konzentration von Chemikalien gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit) in einer Waschstraße, die selbst Edelstahl angreifen, kann dieser Baustoff am besten standhalten. Das verwendete Profilglas ist resistent gegen die eingesetzten Reinigungsmittel, pflegeleicht und leicht zu warten beziehungsweise auszutauschen. Zwar ist eine voll verglaste Halle in der Regel thermisch kritisch, hier konnten aber die solaren Gewinne des südwestlich angeordneten Techniktraktes energiesparend der Fahrzeugtrocknung zugeführt werden.
Auch im Umgang mit Licht und Lichtstimmungen zeigten die Architekten ein feines Gespür für die eindrucksvolle Wirkung einer guten Ausleuchtung. Nachts wird die Anlage von innen beleuchtet und damit zu einer vielschichtigen, transparenten Bühne für den Auftritt von Maschinen, Autos, Kunden und Angestellten. Es ist wohl auch der Werbewirksamkeit dieses Auftritts zu verdanken, dass die »Gläserne Waschstraße« von Germering sämtliche wirtschaftlichen Erwartungen übertrifft. Mehr als 80 000 Fahrzeuge jährlich werden hier gereinigt und zaubern dem Tankstellenpächter ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Rolf Mauer
Carwash Maybe it’s because John Höpfner and Lydia Haack spent some time in England. In Great Britain, building for industry enjoys a higher status than in this country, and is seen as a task of equal value to cultural and commercial building. When this kind of Anglo-Saxon-educated professional approach converges with a receptive Bavarian client, the result can be striking architecture – as the “Glass Carwash“ in Germering demonstrates. The jury of the Balthasar Neumann Prize came to the same conclusion and shortlisted the “Glass Carwash“.
An existing petrol station at the approach to the city of Germering wished to expand sales space, a work yard and a carwash. In order to architecturally define the town edge, architects Lydia Haack and John Höpfner decided to locate the carwash perpendicular to the access road, and in doing so, also screen the work yard and convey the function of the building from the view into the hall. The three-bay, galvanised steel-frame structure is 52 m long, 9.3 m wide overall, one-storey with a partially underground room for compressors and the pump sump. In a grid of 4.4 m with 2.2 m end bays, a fixed-end frame with cantilevered arms is connected to the framework in the longitudinal direction, and founded on a concrete slab. Parallel to the actual carwash, technical equipment is accommodated on one side and a corridor for customers on the other. The transparency of the façade is continued in the interior; all partition walls are glazed and enable the dance of the cleaning hoses and the ballet of the sheepskin brushes to be seen upon entering the customer corridor. A refined performance, as the almost three minute long cleaning process can be experienced therefore directly and nothing wins the customer over more than watching the client’s self-developed hi-tech machines at work.
The choice of glass for the façade and internal walls was made for completely practical reasons. The aggressive environmental conditions in a carwash, which corrode even stainless steel, are best withstood by this material. The profiled-glass used is resistant to the cleaning agents, easy to clean and maintain or replace. While a fully glazed hall may be questionable from a thermal point of view, solar gain in the southwest-facing technical tract is utilised for the energy-efficient drying of vehicles.
Furthermore, the architects demonstrate a keen sense of the impact of good illumination in their handling of lighting and lighting atmosphere. At night the facility is lit from within, becoming a multi-layered, transparent stage for the performance of machines, cars, customers and staff. It is arguably also due to the advertising effect of this performance, that the “Glass Carwash“ of Germering has exceeded all commercial expectations. More than 80 000 vehicles per year are cleaned here, putting a smile of content on the face of the petrol station operator.
Bauherr · Client: Allguth, München Architekten · Architects: Lydia Haack + John Höpfner Architekten, München Mitarbeiter · Collaborators: Stephan Ott, Tim Wessbecher, Crystal Lau King Yi Tragwerksplanung · Structural engineering: Timotheus Brengelmann, München Waschstraßentechnik · Technical of Carwash: Allguth GmbH, Achter Waschtechnik, München