Startseite » Allgemein » Verwässert?

Allgemein
Verwässert?

~Nicolas Uphaus

Am 14. Juni öffnete im spanischen Saragossa die Expo 2008 zum Thema »Wasser und nachhaltige Entwicklung« für drei Monate ihre Pforten. Zu Beginn erwarteten den Besucher allerdings noch einige Baustellen, denn ironischerweise war der durch das Gelände fließende Ebro durch starke Regenfälle so sehr angestiegen, dass die Arbeiten nicht rechtzeitig hatten beendet werden können.
Schon bei der Planung war laut Veranstalter sehr auf eine nachhaltige Umsetzung der Ausstellung in Bau und Betrieb geachtet worden: Es gibt unter anderem eine eigene Energiegewinnung durch Sonne und Wind und ein Wassermanagement, bei dem Regenwasser gesammelt und das Abwasser der Handwaschbecken weiterverwendet wird. Und während bei vorherigen Expos oftmals Ruinen zurückblieben, sollen die Gebäude in Saragossa größtenteils weiter genutzt werden. So gibt es keine einzelnen Länderpavillons, sondern einen großen, wellenförmigen Gebäudekomplex für die Beiträge der 107 teilnehmenden Nationen. Nach dem Ende der Expo soll er in ein Geschäftszentrum umgewandelt werden.
Die frei stehenden Pavillons sind bestimmten Themen, beispielsweise Tsunamis, Hilfsorganisationen oder dem Durst gewidmet. Zu den überzeugenden Gebäuden zählen etwa der Brückenpavillon von Zaha Hadid (siehe auch Seite 84), welcher den Besucher empfängt und über den Ebro auf das Ausstellungsgelände führt. Ebenso erwähnenswert ist der »Citizens’ Initiative Pavilion« von Ricardo Higueras, Madrid, der durch seine Lehmbauweise ohne künstliche Klimatisierung auskommt und zudem durch die natürlichen Materialien einen wohltuenden Kontrast zu den anderen Gebäuden darstellt. Klein aber bemerkenswert zeigt sich der »Digital Water Pavilion« (Entwurf Carlo Ratti, Turin/Boston), dessen umlaufender Wasserfall digital gesteuert Schrift darstellen kann. Besonders die Themenpavillons können durch interaktive Präsentationen überzeugen, die in anderen Ausstellungsräumen leider nur selten anzutreffen sind.
Der Pavillon der spanischen Gastgeberprovinz Aragonien (Olano y Mendo Arquitectos, Saragossa) soll in Form eines geflochtenen Korbs den Reichtum der Region repräsentieren. Die abstrakten kubischen Inhalte waren jedoch anscheinend nicht überzeugend genug und wurden kurzerhand durch leuchtendes Gummigemüse ergänzt.
Insgesamt ist das eigentliche Thema gestalterisch und inhaltlich leider zu schwach umgesetzt. Wellenförmige Gebäude, einige Wasserflächen und gelegentlich plätschernde Wasserfälle sind eine allzu einfache Übersetzung und lassen keinen Raum, um einen erlebbaren Kontakt zum Element Wasser aufzubauen. Die Chance, eine überzeugende und zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser zu gestalten, und so einen aktiven Dialog mit und unter den Besuchern herzustellen, wurde leider nur ansatzweise genutzt.
Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
1 Parksysteme von KLAUS Multiparking im YachtHotel Helvetia in Lindau

Bis ins Detail

Anzeige