unter rom

~Claudius Ziehr

Der Bau einer U-Bahn ist immer eine aufwendige Bauaufgabe, aber selten kämpft man mit so großen Problemen wie in Rom. Denn unter der italienischen Hauptstadt mit fast drei Millionen Einwohnern liegen die Reste einer zweiten Millionenstadt, dem antiken Rom. Und so gelang es mit Mühe, in den vergangenen siebzig Jahren zwei Linien fertigzustellen. Um die zur Zeit in Bau befindliche dritte 25 Kilometer lange Linie »Metro C«, die erstmals auch das historische Stadtzentrum erschließen soll, zügiger fertigzustellen, planten die Betreiber, den Tunnel so tief zu legen, dass auch sicher keine archäologisch wichtigen Schichten tangiert würden. Doch irgendwo muss man die Fahrgäste auch wieder ans Tageslicht bringen. So finden an den Stationen archäologische Sondierungen mit umfangreichen Ergebnissen statt, die häufig anschließende Umplanungen erzwingen. Der als Kreuzungspunkt mit einer projektierten vierten Linie D gedachte Bahnhof »Argentina« wurde gleich komplett gestrichen. Zwischen antiken Thermen und Tempeln ist kein Platz für moderne Rolltreppen. Die als neuer Verkehrsknoten geplante Station »Venezia« verursacht ebenfalls Kopfzerbrechen. Bei den Grabungen fand man eine Glasmanufaktur aus dem späten Mittelalter. Während zwei Aufgänge der U-Bahn inzwischen feststehen, stellt sich dem dritten eine Treppe aus der Zeit von Kaiser Trajan in den Weg. Die Piazza Venezia soll nun noch einmal eingehend untersucht und mit einem Laserscanner ein genaues 3-D-Modell der antiken Ruinen unter dem Pflaster erstellt werden.
Währenddessen stieß man im Dezember 2008 an der archäologisch eigentlich unverdächtigen Haltestelle an der Piazza Lodi auf den bisher nicht genau bekannten Verlauf der alten Via Labicana, so der Archäologe Adriano Morabito von Roma Sotterranea. Wie bei römischen Straßen üblich, war auch sie mit Grabmonumenten gesäumt. Deren Fundamente sollen abgetragen und in ein Museum überführt werden. Die Vorstellung jedoch, hier vielleicht auch noch auf eine Katakombe mit christlichen Märtyrergräbern zu treffen, wird manchem Planer schlaflose Nächte bescheren. Die Erstellung der neuen U-Bahnlinie in Rom bleibt also eine Herausforderung. Man darf sich zudem auf interessante Wettbewerbe freuen. So ist an der Station »Colosseo« ein 3000 Quadratmeter großes Museum für die Funde beim Metrobau geplant, das zwischen Neros Domus aurea und dem Kolosseum in die Erde gequetscht werden soll. Mit dem Bahnhof »Castel S. Angelo« beschreitet man auf der Flucht vor der Archäologie ganz neue Wege. Er soll komplett unter den Tiber gebaut werden. Eine einmalige Lage für einen Bahnhof. Vielleicht wird so die Metro C sogar eine neue Touristenattraktion in der Ewigen Stadt.