Ulrich Müther (1934–2007)

~Wolfram Jäger

Am 21. August 2007 starb der große Schalenbaumeister Ulrich Müther aus Binz auf Rügen. In der Fachwelt wurde die Nachricht seines Todes mit Betroffenheit und Trauer aufgenommen. Ulrich Müther ist in Deutschland und der Welt bekannt durch seine einzigartigen und kühnen Betonschalen, von denen er 79 vornehmlich im ostdeutschen Raum gebaut hat. Sie sind Ausdruck von Leichtigkeit und Beschwingtheit und bringen Kraftfluß und Form in höchste Übereinstimmung. Es sind kleine Buswartehäuschen, Gebäude für den Sport, Restaurants, Schwimmbäder, Radrenn- und Rennschlittenbahnen und schließlich auch Großplanetarien. Die Dach- und Wandkonstruktionen wurden aus hauchdünnen, einfach oder doppelt gekrümmten Betonflächen zu Pilz-, Buckel-, Schirm-, Zylinder- oder Hyparschalen geformt.
Ulrich Müther hat mit seinen Bauten die durch das Orthogonale geprägte und fast in Monotonie erstarrte Moderne der sechziger, siebziger und achtziger Jahre mit fließenden und bisweilen spektakulären Formen aufgelockert und ihr zu Glanzpunkten verholfen. Er hat gezeigt, was mit dem frei formbaren Baustoff Stahlbeton möglich ist. Ulrich Müther gehört zweifelsohne in die Reihe der großen Schalenbauer von Eduardo Torroja bis Heinz Isler.
Geboren am 21. Juli 1934 in Binz, kam er in frühester Kindheit über das elterliche Bauunternehmen mit dem Bauen in Kontakt. Er erlernte das Zimmererhandwerk und studierte an der Fachschule in Neustrelitz Bauwesen. Nach einem Fernstudium an der TU Dresden legte er neben der Arbeit in der Bauplanung und als Leiter des Familienbetriebs sein Diplom ab. Über seinen Professor an der TU Dresden, Herrmann Rühle, fand er zum Schalenbau und lernte in der IASS (International Association for Shell & Spatial Structures) Heinz Isler, Jörg Schlaich, Josef Eibl und Stefan Polónuyi kennen. Von deren Arbeiten war er fasziniert und tastete sich über kleinmaßstäbliche Versuchsschalen an den Schalenbau heran, mit dem er 1963 in großem Stile begann.
Ulrich Müther blieb von seiner Persönlichkeit her – trotz großer Erfolge – immer der bescheidene und bodenständige »Landbaumeister von Rügen«. Die Fachwelt hat einen herausragenden Bauingenieur und bewundernswerten Kollegen verloren, der es verstand, mit seinem Mut, seinem Wissen und Können um Kräfte, Materialien und Konstruktionen unsere gebaute Umwelt mit immer wieder bewunderten Unikaten zu bereichern. Sie sind es wert, als Zeichen einer Zeit und als herausragende Werke eines Bauingenieurs, unter Schutz gestellt zu werden. Das wäre eine Ehrung, die Ulrich Müther verdient hat.