spekulationen über rebhäuser

Von der »Urhütte« über Abstraktionen zu den unterschiedlichsten Lösungen führte ein spielerisches Projekt die beiden Architekten Christoph Schmidt und Susann Vécsey. Bei ihren Spaziergängen durch die heimischen badischen Weinberge fiel ihnen auf, dass die dort überall stehenden Rebhäuschen, einfache Hütten zum Aufwärmen, Lagern und Wache stehen, in ihrer Ausstattung und Funktion »Urhütten« darstellten. Sie nahmen die ganz unterschiedlichen Bauten fotografisch und in ihren Maßen auf, bildeten sie in Gips nach – und stellten fest, dass das nicht alles gewesen sein konnte. Über Abstraktionen, auch literarischer Art, arbeiteten sie den jeweiligen Charakter heraus und entwickelten daraus eine neue »Spekulation« – so der Titel einer Zusammenstellung von zehn hübschen Blättern (und einer Ausstellung in der Elisabeth-Schneider-Stiftung in Freiburg) –, die vom Einfamilienhaus über Gewerbebauten bis hin zu einem Museum oder Tempel eine breite Palette an Typologien abdecken. Es macht Spaß, den Inspirationsprozess der Architekten nachzuvollziehen, auch (und gerade) wenn er manchmal nicht sofort ins Auge fällt und sich erst über das literarische Zitat erschließt, das auf der Vorderseite jedes Blatts die Kurzbeschreibung von Bestand und Idee verbindet. ~dr

SPEKULATIONEN: Susann Vécsey, Christoph Schmidt. Hrsg. Tilo Richter. Standpunkte, Basel, Oktober 2009, 20 €, 30 CHF. www.standpunkte.org