Silberlache

~Christian Brensing

Dieses Jahr ließen Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa von SANAA ihre Vision von einem Pavillon im Hyde Park Wirklichkeit werden. Wie alle Architekten des Serpentine Gallery Summer Pavilion haben sie bisher noch nicht in Großbritannien gebaut. In einer für ihre Architektur auf den ersten Blick nicht typischen Weise entwarfen sie eine polymorphe, auf Hochglanz polierte Dachscheibe, die sich wie eine Silberlache zwischen den Bäumen sammelt. Die durchgehend nur 26 mm dicke und 550 m² große Dachhaut besteht aus einem Sandwich von je zwei 3 mm starken Aluminiumplatten und einer tragenden Schicht aus 19 mm Sperrholz. 114 glänzende Edelstahlstützen heben das Dach von bisweilen Tischhöhe bis hoch über die Köpfe der Besucher. Die leicht wellige Topographie vor der Serpentine Gallery wird so durch das Dach aufgenommen. So leicht und gefällig die Alu-Scheibe zwischen dem Grün zu schweben scheint, so kompliziert war die konstruktive Lösung. Ed Clark, der Projektingenieur von Arup, musste alle Register von CAD-Techniken bis zu lasergeschnittenen, 3 x 1,50 m großen, hochpolierten Aluminiumpaneelen aufbringen, um durchgängig glatte, fugenfreie und reflektierende Oberflächen zu schaffen. So wurden alle versenkten Schraubenköpfe nochmals mit kleinen Alukappen gedeckelt und die Anschlüsse der Edelstahlstützen mit drei Arten von speziellen Unterlegscheiben an die Dachunterhaut angeschlossen: Die Toleranzen bewegen sich zwischen 0 und 0,2 mm. Ob sich dieser Aufwand für ein temporäres Bauwerk lohnt? Zumindest der zukünftige Eigentümer, der den Pavillon im Herbst ersteigert, wird eine Antwort haben. Bis Mitte Oktober aber hat das Publikum noch freien Zutritt zu diesem reflektierenden Meisterwerk in Londons Mitte.