Rudolph in Yale aufgefrischt

~Rüdiger Krisch

Als ich im Herbst 2006 zu Recherchen an die Universität Yale kam (siehe db 1/07, Seite 58), klaffte nördlich des Art and Architecture Building ein tiefes Loch: die Baugrube für den Neubau des »Jeffrey Loria Center for the History of Art« – benannt, wie in den USA üblich, nach einem Stifter. Der Neubau sollte nicht nur neue Räumlichkeiten für die Fakultät für Kunstgeschichte schaffen, sondern auch einige Probleme des Architekturgebäudes lösen, die innerhalb der von Paul Rudolph in den sechziger Jahren entworfenen begehbaren Sichtbeton-Skulptur nicht lösbar erschienen, denn Probleme hat das Haus zuhauf: von der Bauphysik des monolithischen Betons über die veraltete Gebäudetechnik und den kaum vorhandenen Brandschutz bis hin zur Erschließung der insgesamt 37 Ebenen, von denen derzeit keine einzige barrierefrei erreichbar ist.
Jetzt teilt die Universität mit, dass sowohl der Neubau als auch die Renovierung des bestehenden Architekturgebäudes, das nach dem Willen eines Stifters künftig den Namen »Paul Rudolph Building« tragen wird, im kommenden Sommer fertiggestellt werden sollen. Im zugehörigen Pressetext wird mehrfach betont, dass die Renovierung das Architekturgebäude zu »Rudolphs originaler Intention« zurückführen solle. Dies erscheint ebenso plausibel wie die typologische Optimierung durch die Verbindung von Alt- und Neubau über eine erweiterte erdgeschossige Bibliothek und durch eine gemeinsame zentrale Vertikalerschließung beider Gebäude.
Eher befremdlich wirkt hingegen das äußere Erscheinungsbild des neuen Bauteils mit seiner Fassade aus Sandstein und Zink. Vielleicht hätte man anstelle von Charles Gwathmey, einem Absolventen aus der Zeit, als Rudolph die Schule leitete, besser ein jüngeres Büro auf dieses Projekt losgelassen, das mutiger und auch respektloser an Paul Rudolphs Werk hätte anknüpfen können. Der war immerhin zu seiner Zeit dem neugotisch geprägten Kontext der Universität auch mit einem klaren Kontrast entgegengetreten.