reykjavíks neues wissenszentrum

Wer sich von Reykjavík aus zu innerisländischen Zielen begeben will, muss vom Flughafen Vatnsmýri starten. Dieser wurde im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten angelegt und befindet sich mittlerweile mitten im Stadtzentrum der isländischen Hauptstadt. Da Reykjavík ständig weiterwächst und Flächen für seine neuen Funktionen als Metropole des Wissens und der Informations- wie Biotechnologien benötigt, wurde beschlossen, den Flugplatz auf den internationalen Flughafen außerhalb der Stadt auszulagern und das 150 Hektar große Gelände für einen neuen Stadtteil zu nutzen, der die Ränder der Stadt verbindet. An das Gelände schließen Gebäude der privaten und öffentlichen Universitäten an, ein Krankenhauskomplex, mehrere Wohngebiete, ein Naturschutzgebiet, das Nordic House von Alvar Aalto mit umgebendem Park und ein Küstenstreifen, an den viele zum Spazierengehen und Schwimmen kommen.

2006 schrieb die Stadt Reykjavík einen internationalen Ideenwettbewerb aus, dessen zweite Phase im Februar zu Ende ging. Die Jury, der unter anderem Kees Kaan und Hildebrand Machleidt angehörten, wählte 16 Entwürfe aus, die in den kommenden Monaten weiter detailliert werden sollen. Die Sieger werden beim Masterplan beratend mitarbeiten.
Dass die bislang ausgewählten Entwürfe als »Diskussionsbeiträge« betrachtet werden, wird in der Auswahl und in den Begründungen klar: Die Vorschläge unterscheiden sich stark und stellten das Gremium auch keineswegs immer zufrieden. So fehlte ihnen selbst beim besten Entwurf, der von Graeme Massie Architects aus Edinburgh stammt, ein schlüssiges Verkehrskonzept. Abgesehen davon erfüllte er jedoch alle Anforderungen von der Integration der verschiedenen Nutzungen (Wohnen, Gewerbe, Forschung, Universität, Krankenhaus, Freizeit), der alten Rollbahnen des Flugplatzes und des Naturschutzgebietes über die gewünschte Dichte bis zur angemessenen Architektursprache für eine moderne Stadt des 21. Jahrhunderts. Die drei sich kreuzenden Rollbahnen sind in fast jedem Entwurf vorhanden: sei es als erkennbare Achse, die in einen Grünstreifen verwandelt wird, sei es als dreieckiges Grundraster für das Zentrum des neuen Stadtteils. Zumeist verbindet sie das neue Quartier mit dem bestehenden Stadtzentrum. Dieses Element betont der Entwurf des französischen Büros Jean-Pierre Pranlas-Descours in Zusammenarbeit mit Ove Arup, der den verschiedenen Nutzungen einzelne Inseln zuweist, die die phasenweise Entwicklung Reykjavíks widerspiegeln und viel zusammenhängende Landschaft frei lassen. ~red