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BDA Geschäftsstelle in Stuttgart
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Mit Hilfe eines umlaufenden, identitätsstiftendenTapetenbandes ist es den Architekten gelungen, aus einem heterogenen Raum nicht nur einen flexiblen Treffpunkt für Veranstaltungen zu machen, sondern auch einen zentralen Bürostandort für den BDA Baden-Württemberg zu schaffen. With the help of an identity-forming, continuous band of wallpaper, the architects have succeeded in making out of a heterogeneous space not just a flexible meeting point for events, but also the central offices for the BDA Baden-Württemberg.

Soviel Engagement für einen 100 m² großen Raum! Nur wenig ist davon auf den ersten Blick wahrnehmbar. Einzig die Farbe Weiß scheint das alles Bestimmende zu sein. Um diesen Eindruck als Qualität zu begreifen, ist es wichtig, etwas von der Entstehungsgeschichte zu erfahren. Die württembergische Landesvertretung des BDA (Bund Deutscher Architekten) mit Sitz in Stuttgart wollte für ihre Mitglieder besser erreichbar sein als dies in einem zu Bürozwecken umgebauten Wohnhaus im Süden der Stadt bislang möglich war. Die gewünschte zentrale Lage bot sich im Zeppelin-Carreé gegenüber dem Hauptbahnhof an, einem vor acht Jahren von den Architekten Auer + Weber / Michel + Wolf sanierten Geschäfts- und Hotelkomplex mit weitläufigem Innenhof. Zur Belebung dieser Fläche waren damals einige Läden und eine Weinstube geplant worden. Die uneindeutige Bestimmung aus Innen- und Hinterhof brachte allerdings nicht den gewünschten Vermietungserfolg.

Das bereits mit Rundbogenfenstern ausgestattete Weinlokal diente zuletzt einer Bank als Archivraum. Die Architekten fanden nach der Räumung das heterogene Bild einer Gaststättennutzung vor, zusätzlich eingeschränkt durch zwei massive Wandscheiben inmitten des »Gastraumes«, die der Lastabtragung aus den oberen Geschossen dienen. Das denkmalgeschützte Haus ist das einzig verbliebene Gebäude, das noch den alten Verlauf der Friedrichstraße nachzeichnet, im Innenhof durch die Verlegung der Gehwegplatten kennt- lich gemacht. Das geringe Budget und die hohen Auflagen, kaum etwas ändern zu können, brachte die Architekten auf die Idee des umlaufenden Bandes – eine Art Tapete, hinter der sich alles verstecken ließ, was störte und auf der man alles zeigen kann, was mit Architektur in Verbindung steht. Konsequent führen die Planer das Band aus MDF-Platten auch über Öffnungen hinweg, ohne sie jedoch völlig zu verschließen. Hinter aufklappbaren Läden wird in ausstellungsfreien Zeiten der Blick auf die Fenster wieder frei. Die sichtbare Distanz von Decke und Wand macht ihre raumbildende Eigenständigkeit zusätzlich deutlich. Gern sähen Bottega + Ehrhardt die Nutzung des Bandes als tatsächliche Projektionsfläche, so wie früher, als Urlaubsdias aus Italien direkt auf die Wand ge- worfen wurden. Deshalb erlaubten sie sich auch die kleine Spitze, die Fläche mit Raufaser zu bekleiden. Auf ihr ist zugleich das direkte Auftragen von Zeichnungen möglich – fast so wie es auch im Kulissenbau üblich ist. Als ebenso überraschend entpuppen sich die beiden parallel stehenden Wandscheiben. Ihnen wurden jeweils zwei gleichgroße, verschiebbare und drehbare Holzwände vorgeschaltet, durch deren Beweglichkeit sich der Raum in verschieden große Segmente teilen lässt. Die Möglichkeit zum Ausstellen hat der BDA anfangs gar nicht in Betracht gezogen. Dennoch bleibt genügend Raum, um die eigentliche Funktion aus der Zellerstraße unterzubringen. Je mehr die Architekten sich mit dem Raum befassten, desto euphorischer wurden sie, ihm auch noch die letzten Qualitäten abzuringen. Jede nur kleine Platzreserve wurde genutzt, aber so in das Volumen integriert, dass Türen und Klappen nicht auffallen. Selbst eine kleine Präsenzbibliothek fand noch in einem Wanddurchbruch Platz. Zu dieser konsequenten, aber keineswegs radikalen Haltung passt nach Meinung der Architeten keine Farbe. Diese ergibt sich durch die Nutzung ganz von allein und kann so jedesmal anders ausfallen. Den Boden bedeckt lichtgrauer Epoxidharz. Die Decke ist aus akustischen Gründen mit einem hellen, sehr feinflorigen Teppich »ausgelegt«, von dem allerdings nicht allzu viel sichtbar wird, da zwei Installationskanäle und abgehängte Leuchten die größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Geschäftsführung findet ihren Raum direkt im Anschluss an die Ausstellungsfläche, getrennt durch einen Empfangstresen, in dessen Verlängerung eine kleine Teeküche eingebaut ist. Ein umlaufender Einbauschrank gefertigt aus lichtgrau lackiertem MDF bietet ausreichend Ablagefläche für die Verwaltung. Dieser Bereich kann wiederum durch Schiebeelemente vom Ausstellungsraum vollständig abgetrennt werden, so dass mitsamt Küche und WC-Anlagen die Räumlichkeiten auch fremdvermietbar sind. Zu wünschen ist, dass sich dieser Ort zu einem Treffpunkt lebendiger Architektur- diskussion entwickelt. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Schon allein der Name »Wechselraum« macht neugierig. kr
Bauherr: Bund Deutscher Architekten, BDA, Stuttgart Architekten: Giorgio Bottega, Henning Ehrhardt, Stuttgart Mitarbeiter: Michael Feeser Tragwerksplanung: Pfefferkorn Ingenieure, Stuttgart Haustechnik: Bott Gosswin, Stuttgart Lichtplanung: Candela Licht und Leuchten, Stuttgart Fertigstellung: November 2005 (Bauzeit: 6 Wochen) Fläche: 190 qm² (Ausstellungsraum 100 qm²)
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