Ralf Schüler (1930-2011)

Am 10. März starb der Berliner Architekt Ralf Schüler. Er zählte gemeinsam mit seiner Frau Ursulina Schüler-Witte, mit der er 35 Jahre lang ein Architekturbüro geführt hatte, sowie mit Fritz Bornemann, Werner Düttmann und Georg Heinrichs zu den wichtigsten Architekten des Westberlin der 60er bis 80er Jahre. Die Betonung des Technischen und Konstruktiven, die Begeisterung für neue Baustoffe und Fertigungsmethoden zeichnete ihre Architektur aus. Studiert hatten sie an der Technischen Hochschule Berlin u. a. bei Hans Scharoun und Bernhard Hermkes und von 1961-67 in Hermkes´ Büro gearbeitet. 1965 gewannen sie den Wettbewerb für das ICC in Berlin und machten sich 1967 selbstständig. Um das 1979 eingeweihte Gebäude wurden in den letzten Jahren viele Debatten über Abriss oder Sanierung geführt (s. db 10/2005,S. 3 und db 1/2010, S. 6). Ein ebenso ikonischer und vieldiskutierter Bau ist der »Bierpinsel«, das Turmrestaurant [6] von 1976, das einen Abluftkamin am Verkehrsknoten Schlossstraße in Berlin-Steglitz verbirgt. Seine geschuppte rote Kunststofffassade wurde im letzten Frühling im Auftrag der Besitzerin von Graffiti-Künstlern mit bunten (wieder zu entfernenden) »Masken« [7] versehen – »beschmiert« nannte es der Architekt. In den letzten drei Jahren hatte das Ehepaar sein Gesamtwerk geordnet und zu Schülers 80. Geburtstag im Oktober der Architektursammlung der Berlinischen Galerie vermacht: Dokumentationen von 244 Projekten aus den Jahren 1946-2007, die größtenteils im gemeinsamen Büro entstanden waren, sowie Zeichnungen, Modelle und historische Film- und Tondokumente. ~dr