Tagung »Suffizienz im bebauten Raum«

Qualität durch Mässigung?

~Arne Steffen

Auf dieser Schweizer Tagung gab es, zumindest für die deutschen Teilnehmer, nichts, was man an anderen Orten bereits gehört hätte. Ganz einfach, da eine solche Veranstaltung bislang noch nirgends stattfand.
Über das Thema im Untertitel der Veranstaltung »Suffizienz im bebauten Raum« ist schon geschrieben worden, immer mal wieder wird es gestreift, es schwebt über vielen Diskussionen der Nachhaltigkeit, aber selten wurde es so umfassend in so vielen Facetten untersucht wie im Juni vom Schweizer Ingenieur- und Architektenverein sia. Von Psychoanalytikern und Trendforschern, von Entwicklern und Architekten bis hin zum Präsidenten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie sowie Umsetzern suffizienter Baukonzepte wurde das Thema aus verschiedenen Perspektiven sehr unterschiedlich beleuchtet. Die Puzzlesteine haben am Ende des Tages trotzdem ein überraschend klares und gemeinsames Bild entstehen lassen. Einig waren sich Kritiker wie Befürworter, dass Suffizienz einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der anerkannten Klimaziele leisten kann, dabei aber in erster Linie in der Verantwortung der Politik liegt.
Planen und Bauen unter suffizienten Vorzeichen wurde insbesondere an zwei Beispielen aus Zürich vorgeführt: Durch einen bestechend naheliegenden und einfachen Prozess zu Optimierungen im Betriebskonzept einer Schule ließ sich auf einen bereits geplanten Ergänzungsbau verzichten. Durch den simplen Einbau von Garderobenkästen benötigen die Schüler kein eigenes Klassenzimmer mehr, das ihnen permanent zur Verfügung und während des Chemie-, Musik- oder Sportunterrichts leer steht – alle Räume sind nun schlichtweg besser genutzt. Und beim Projekt der Genossenschaft Kalkbreite in Zürich werden derzeit mit zehn Anreizen Maßstäbe zur Mäßigung im Wohnungsbau und zu suffizientem Nutzerverhalten gesetzt. So kann z. B. durch Roomsharing, einen Nutzungsmix, Partizipation und aktive Information der Bewohner oder flexible Grundrisse die Wohnfläche pro Person auf gerade einmal 35 m² (inkl. der Gemeinschaftsflächenanteile) begrenzt werden. Mutig und mutmachend!