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Verwaltungsbau der Stadtwerke Lemgo – Hersteller-Fachbeitrag von Brillux
Passivhaus in anthrazitfarbenem Gewand

»Energieeinsparung, Kostensenkung, Klimaschutz« – diese drei Gründe führten die Stadtwerke Lemgo zu einem Neubau mit dem Zertifikat »qualitätsgeprüftes Passivhaus«. Doch der Erweiterungsbau hat nicht nur Vorbildcharakter in punkto Energieeffizienz, sondern fällt v.a. durch seine Fassade in dunklem Anthrazit auf. Dunkle Farbtöne auf WDVS? Was bislang nicht möglich war, konnte hier mit dem Brillux SolReflex-System überzeugend umgesetzt werden.

Das neue Verwaltungsgebäude grenzt direkt an den historischen Bau der Lemgoer Stadtwerke. Durch die Verbindung der beiden Gebäude sind nun erstmals sämtliche Stadtwerke-Abteilungen unter einem Dach vereint. Die Aufgabenstellung an Planer und Architekten lautete, Lösungsvorschläge zu erarbeiten, »die die Stadtwerke als kundenorientiertes und zukunftsträchtiges Unternehmen der Stadt darstellen«. Der Entwurf von h.s.d. architekten habermann.decker überzeugte, denn er greift das städtebauliche Umfeld auf und schafft einen eigenständigen, definierten Ort mit hohem Identifikationswert, sowohl für die Stadtwerke-Mitarbeiter als auch für die Besucher.

Die Gestaltung basiert auf der Gegenüberstellung von Alt- und Neubau: Während einige Themen des Altbaus gestalterisch aufgegriffen werden, werden andere Details bewusst verändert, um dem Neubau einen modernen Ausdruck zu geben. Bestes Beispiel ist die Farbgebung: Den weißen Fassaden des Altbaus setzt der Neubau ein sattes, dunkles Anthrazit gegenüber, das durch die weiß gehaltenen Fensterbänder horizontal gegliedert wird.
Eine Fassade in dunklem Anthrazit? Dass sich dieser Gestaltungswunsch tatsächlich umsetzen ließ, dafür sorgte das Brillux SolReflex-System in Kombination mit dem Brillux Wärmedämm-Verbundsystem I.
Gestaltungswunsch: ein dunkles Anthrazit
Dunkle Farbtöne auf WDVS? Was bislang nicht zu realisieren war, wird mit dem Brillux SolReflex-System möglich. Denn dank spezieller TSR-formulierter (Total Solar Reflectance), infrarotreflektierender Farbtonrezepturen gelingt es, die Aufheizung gedämmter Fassadenoberflächen drastisch zu reduzieren und damit Risse im Putzsystem oder Verformungen am Dämmstoff zu verhindern. Selbst bei intensiven, sehr dunklen Farbtönen im SolReflex-System erwärmt sich die Fassade maximal auf 60°C. Damit eröffnet das System Architekten und Planern eine neue Farbfreiheit bei der Gestaltung von WDVS. Architekt Christian Decker war froh, dass der Gestaltungswunsch Anthrazit beim Neubau der Stadtwerke Lemgo tatsächlich umgesetzt werden konnte: »Das war ja vorher gar nicht möglich mit WDVS. Und es ist schon lange Wunsch von Architektenseite, mit satten Farben zu arbeiten.«
Wodurch wird das Aufheizverhalten der Fassade bestimmt?
Der Entwicklung des SolReflex-Systems liegt die in Labortests und über einen längeren Zeitraum in der Praxis gewonnene Erkenntnis zugrunde, dass der HBW (Hellbezugswert) allein keine Aussagekraft über das Aufheizverhalten hat. Im Laborversuch wurden zunächst drei verschiedene Farbtöne mit deutlich unterschiedlichen HBW auf denselben Untergrund aufgebracht. Mithilfe spezieller Halogenstrahler konnte die Solarstrahlung perfekt simuliert und die Temperaturentwicklung der unterschiedlichen Anstriche bei gleicher Strahlungsintensität messtechnisch erfasst werden. Das Ergebnis war eine Überraschung, denn der dunkelste Anstrich in rot war mit einem HBW von 13 (TSR-formuliert) nicht wärmer als der grüne mit HBW 38 oder der graue Anstrich mit HBW 20 (beide konventionell getönt). Ganz offensichtlich, so die Schlussfolgerung, haben Pigmente völlig unterschiedliche Reflexionseigenschaften. Nur so lässt sich erklären, warum im Test der rote Farbton, bei dem ausschließlich Pigmente mit guten Reflexionseigenschaften eingesetzt wurden, trotz niedrigerem HBW relativ kühl blieb.
Da der HBW als Ausdruck der Körperfarbe definiert ist, wie sie das menschliche Auge in Relation zu Reinweiß (HBW 100) bzw. Tiefschwarz (HBW 0) sieht, bleibt außer Betracht, dass der Mensch über das Auge nur elektromagnetische Strahlung in Wellenlängen von 400 bis 700 Nanometer wahrnimmt. Die Sonne strahlt jedoch mehr als die Hälfte ihrer Energie im nahen Infrarotbereich (700-2500 nm) aus. Für die Aufheizung der Fassadenoberfläche ist nicht nur die sichtbare, sondern die gesamte Solarstrahlung, also auch die infrarote und ultraviolette verantwortlich. Diese gesamte solare Reflexion einer Farbe wird angegeben als Total Solar Reflectance, kurz TSR. Statt des HBW sollte zur Beurteilung des Aufheizverhaltens einer Fassade der TSR-Wert zugrunde gelegt werden. Wie beim HBW gilt auch beim TSR: Je größer er ist, desto geringer ist die Aufheizung. Aber anders als der HBW wird der TSR insbesondere von den verwendeten Pigmentkombinationen bestimmt. Voraussetzung, um eine dunkle Farbe auf verputztem und wärmegedämmtem Untergrund einsetzen zu können, ist ein sehr hohes Reflexionsverhalten im Infrarotbereich. Genau darauf basiert das SolReflex-System, bei dem für die Farbtonrezepturen ausschließlich gut infrarotreflektierende Pigmente verwendet werden.
Die gedämmte, anthrazitfarbene Fassade des Neubaus für die Stadtwerke Lemgo ist der beste Beweis: Dank SolReflex mit TSR-Formel kann sich die Fassade nicht mehr so stark aufheizen. Neben dem enormen Zugewinn an Gestaltungsmöglichkeiten mit satten, intensiven Farbtönen ohne Einschränkung des HBW bietet das System einen weiteren positiven Effekt: Durch die deutlich verminderte thermische Beanspruchung werden die Armierungs- und Oberputzmaterialien weniger belastet und so deren Lebensdauer verlängert. •
~Dieter Klasen
  • Der Autor ist Produktmanager und verantwortlich für die Produkt- bereiche WDVS/Putze/LOGO.
  • Brillux, Münster www.brillux.de
Standort: Bruchweg 24,32657 Lemgo Bauherr: Stadtwerke Lemgo GmbH Architekten: h.s.d. architekten habermann.decker, bda, Lemgo Generalunternehmer: Köster GmbH, Bielefeld Tragwerksplanung, Schallschutz, Wärmeschutz, Passivhausplanung: Lingk & Partner Ingenieurbüro für Baustatik, Lage Wärmedämmung/Fassadenarbeiten: Quast Malerbetrieb e. K., Lemgo Bauzeit: 2/2011 bis 2/2012
Eingesetzte Brillux Produkte: WDV-System I mit WDVS Hartschaum-Dämmplatte 3614, WDVS Pulverkleber 3550, Putzgrundierung 3710, Rausan KR K3 3517, Acryl-Fassadenfarbe 100 in TSR-Formulierung im Farbton RAL 7016
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