Erweiterung Auktionshaus Stuker in Bern (CH)

Nüchterne Eleganz und Funktion

Auf einem parkartigen Areal platzierten die Architekten für das Auktionshaus Stuker einen selbstbewusst wirkenden Erweiterungsbau neben eine herrschaftliche Villa. Dem formal eher nüchternen Neubau verleihen großzügige Dimensionen einen repräsentativen Charakter. Die Raumorganisation und -gestaltung im Inneren folgt im Wesentlichen funktionalen Überlegungen. In park-like grounds the architects for the auction house Stuker have sited beside an imposing villa an extension building with a self-assured air. Generous dimensions give the somewhat sober new building a prestigious character. The spatial organi-zation and design of the interior follow essentially functional considerations.

Text: Mathias Remmele

Fotos: Christian Richters, Tom Bisig
Das Auktionshaus Stuker in Bern gehört zu den traditionsreichen, alteingesessenen Institutionen des Schweizer Kunsthandels. Sein Geschäft ist die Versteigerung von bedeutenden Nachlässen und Sammlungen. Sich selbst sieht er dabei, so Peter Vögele, Chef des Hauses, in der Rolle eines Vermittlers von Kunst, Kunstgewerbe und allerlei wertvollen Raritäten an Sammler und Liebhaber.
Zu den Objekten, die hier auf jährlich vier Auktionen zum Kauf angeboten werden, gehören Gemälde und Grafiken, vorwiegend des 15. bis 19. Jahrhunderts, ebenso wie Möbel, Schmuck, Porzellan, Bücher, Musikinstrumente und Spielzeug.
Der noble, von altem Baumbestand umgebene Firmensitz liegt, hoch über der Aareschleife und mit Sicht auf die Berner Altstadt, in einem parkartigen Grundstück. Er besteht aus zwei Gebäuden: der Ende des 19. Jahrhunderts im neo-barocken Stil erbauten Villa Rosenberg und einem nach Plänen des Basler Architekturbüros Diener & Diener im Lauf der letzten Jahre errichteten Erweiterungsbau, in den Teile älterer Anbauten aus den sechziger und siebziger Jahren integriert wurden.
Die Neubauplanung, notwendig geworden durch erhebliche Bauschäden an den Vorgängergebäuden, bot die Gelegenheit zu einer gestalterischen Aufwertung und einer grundsätzlichen funktionalen Reorganisation des Komplexes. Direkt neben die Villa platziert und mit dieser durch ein schmales, deutlich hinter die Fassadenflucht zurückversetztes Treppenhaus verbunden, gleicht der Neubau von der Seite betrachtet einem liegenden L. Im Erdgeschoss seines zweigeschossigen Kopfbaus befinden sich das Eingangsfoyer, der Empfangsraum und die Anlieferung.
Im nur den Mitarbeiten des Hauses zugänglichen Obergeschoss, in das ein zusätzliches Galeriegeschoss eingebaut wurde, sind die Bibliothek, ein Sitzungszimmer sowie Büro- und Sozialräume untergebracht. Hinter diesem Kopfbau liegt ein sich weit in die Tiefe des Grundstücks erstreckender, einstöckiger Trakt, der die große Auktions- und Ausstellungshalle aufnimmt und von dem bereits zuvor existierenden, begehbaren Tresorraum abgeschlossen wird.
Diener & Diener stellten ihren dezidiert zeitgenössischen Erweiterungsbau durchaus selbstbewusst neben die herrschaftliche Villa, die der Bauhistoriker Christoph Schläppi treffend als »Synthese der urbanen Barockarchitektur Berns mit dem Typus einer gründerzeitlichen Fabrikantenvilla« beschrieb. Statt auf Anbiederung oder Dominanz setzen sie auf Ebenbürtigkeit und Eigenständigkeit der beiden Gebäude, was eine gute Nachbarschaft freilich nicht ausschließt.
Solch ein spannungsvolles Nebeneinander von Alt und Neu konnte man bereits bei anderen Projekten von Diener & Diener beobachten; man denke etwa an die Schweizer Botschaft in Berlin. Und so verwundert es wenig, wenn der Bauherr diese als ausschlaggebend für seine Architektenwahl bezeichnet.
Beim Erweiterungsbau des Auktionshauses ist es gelungen, eine nüchterne Zweckhaftigkeit mit durchaus repräsentativen, großzügigen Dimensionen und einer hochwertigen Materialisierung zu kombinieren. Vom hellen Sandstein der Villa hebt sich das neue Gebäude durch seine Verkleidung mit dunkelbraunem Kupferblech ab.
Für den Kopfbau wählten Diener & Diener dabei Blechpaneele, wohingegen der rückwärtige Gebäuderiegel mit dem Auktionssaal und dem Tresorraum ein Wellblechkleid erhielt – ein reizvolles Spiel mit den sich widersprechenden Konnotationen von Material und Form.
Die Hauptfassade des doppelstöckigen, rund zehn Meter hohen Kopfbaus ist geprägt von einer geschosshohen, vertikal gegliederten Verglasung. Dunkel eingefärbte Kunststoffvorhänge, die oben und unten in Schienen eingespannt sind, sorgen tagsüber bei Bedarf für Sonnen- und Sichtschutz. Dabei ermöglicht ihre feinmaschige Netzstruktur aber von innen heraus den Durchblick auf den Vorplatz. In zugezogenem Zustand verleihen die Vorhänge der Fassade eine wellige Struktur, die auf die Wellblechverkleidung des Auktionssaals anspielt.
Ein leicht nach oben auskragendes, mittig angeordnetes Vordach nimmt ein prominentes Element der Villenarchitektur wieder auf und markiert den Besuchereingang.
Von den administrativen Bereichen abgesehen, die Diener & Diener konsequent in das Obergeschoss verlegten, unterliegen die Räume des Auktionshauses einem ständigen, sich zyklisch wiederholenden Funktionswandel. Dies gilt besonders für den großen Auktionssaal. Während der Einlieferungsphasen werden die Kunstgegenstände hier sowohl magaziniert als auch kunstgeschichtlich analysiert, fotografiert, katalogisiert und taxiert. Während der Vorbesichtigung, die den Auktionsterminen unmittelbar vorausgeht, dienen die Räume dann der Präsentation der meist dicht gedrängt stehenden bzw. hängenden Objekte. An den Versteigerungstagen selbst verwandelt sich der große Saal schließlich in einen betriebsamen Handelsplatz. Entsprechend hoch sind die funktionalen und logistischen Anforderungen an das Gebäude. Diener & Diener konnten mit ihrer Planung wesentliche Mängel der Vorgängerbauten beheben. Dies gilt für die Entflechtung des Besucher- und Wareneingangs, die zwar beide im Kopfbau, aber eben an unterschiedlichen Stellen liegen. Dies gilt für die Vereinfachung des Warenverkehrs, der jetzt weitgehend barrierefrei vonstatten gehen kann – was bei den zum Teil erheblichen Abmessungen und dem großen Gewicht der Möbelstücke ein wesentlicher Vorteil ist. Das gilt schließlich für den großen Auktionssaal, den Diener & Diener mit drei um neunzig Grad schwenkbare Wandelementen bestückten, mit deren Hilfe sich der Raum, je nach Bedarf, in Längs- und Querrichtung flexibel gliedern lässt. Außerdem konnte die Aufenthaltsqualität des Auktionssaales durch den Einbau von Oberlichtern und von drei schmalen, aber raumhohen Fensteröffnungen, die einen Ausblick auf den Garten und die Berner Altstadt gewähren, erheblich gesteigert werden. Auch von außen betrachtet tragen diese von schwarz eingefärbtem Sichtbeton gerahmten und in unregelmäßigem Abständen platzierten Fenster viel dazu bei, den langen Riegel architektonisch zu gliedern und ihm eine pavillonartige Anmutung zu geben.
Mit weißen Wänden und Decken, mit einem Boden aus einfachem Eichenparkett und mit einer Grundbeleuchtung aus bündig in die Decke integrierten Neonröhren, die durch verstellbare, in Lichtschienen gesteckte Strahler ergänzt werden, wirkt das Innere des Auktionssaales hochwertig und funktional zugleich. Wo es nicht nur ums Geschäftliche geht, ist offensichtlich auch im Kunsthandel ein neutraler Hintergrund gewünscht. Ein gediegeneres Ambiente bieten dafür die ebenfalls zu Ausstellungszwecken genutzten Repräsentationsräume im Hochparterre der Villa, die im Rahmen der Bauarbeiten sorgfältig restauriert und soweit wie möglich in ihrer ursprünglichen Fassung wiederhergestellt wurden. M. R.
Bauherr: Galerie Jürg Stuker AG, Bern Architekten: Diener & Diener Architekten, Basel Tragwerksplanung: Moor Hauser & Partner AG, Bern Haustechnik: IKP Iten, Kaltenrieder u. Partner AG, Münchenbuchsee Lüftungsplanung: Waldhauser Haustechnik AG, Basel Restaurator: Roland von Gunten, Renan Nutzfläche (Neubau und Villa): 2431 m2 Bruttorauminhalt (Kopfbau, Hallen): 11 830 m3 Fertigstellung: Januar 2004