1 Die »Publikumsmassen« der diesjährigen ACS waren überschaubar, nicht zuletzt deshalb, weil die Bausoftware-Messe durch ihre Randlage im zweiten Obergeschoss von Halle 9 nicht vom »Durchgangsverkehr« der sehr gut besuchten Light + Building profitieren konnte
2 Brandneu auf der ACS 2006: ROOMline für das mobile Grundrissaufmaß von IT-Concept ...
3 ... und CasCADos von FirstInVision
Messenachlese ACS 2006, Frankfurt am Main

Mauerblümchen

Schlange stehen musste der Besucher der ACS selbst in den Jahren des Internet- und Börsen-Booms allenfalls zu Stoßzeiten. Dass sich der an den aktuellen Entwicklungen der »Computersysteme im Bauwesen« Interessierte in diesem Jahr inmitten eines von Zugangskontrollen aufgestauten Publikumsstroms wiederfand, hatte einen einfachen Grund: Erstmals fand die ACS parallel zur Light + Building statt, die an den fünf Messetagen insgesamt knapp 135 000 Besucher in die Hallen des Frankfurter Messegeländes lockte. 5000 davon zählte der Schlussbericht der Veranstalter zum Publikum der ACS – was aber wohl nur eine (optimistische?) Hochrechnung sein kann, schließlich galt die Eintrittskarte für beide Veranstaltungen. Dabei wäre ein genaue Erfassung der Besucher sehr wohl möglich gewesen, waren die Stände der ACS doch abseits des allgemeinen Durchgangsverkehrs im zweiten Obergeschoss der Halle 9 untergebracht. Diese Randlage behagte dem Großteil der Bausoftware-Anbieter wenig. Zwar bot ihnen die ruhige Atmosphäre in Halle 9.2 ideale Voraussetzungen, sich den wirklich interessierten Gästen ungestört zu widmen – oder mit den Kollegen von der Konkurrenz einen Plausch zu halten. Aber in einer Zeit, in der die Informationsbeschaffung aus dem Internet eine Selbstverständlichkeit ist und Programme sogar »live« online vorgeführt werden können, sollte ein Messeauftritt für Aussteller doch zumindest noch einen »Mehrwert« bieten: Die Möglichkeit, das Interesse mehr oder weniger zufällig vorbeiflanierender »Laufkundschaft« zu erwecken – auch wenn solche Kontakte nur zu einem geringen Prozentsatz zu einem konkreten Abschluss führen.

Die ACS, als »Blinddarm« der Light + Building angelegt, bot unter diesen Aspekten denkbar ungünstige Voraussetzungen. Kein Wunder, dass die Mitglieder des BVBS (Bundesverband Bausoftware e. V.) prompt gereizt reagierten und zum Boykott der Messe aufriefen – welcher dann aber doch nur halbherzig umgesetzt wurde: So verzichtete von den größeren Firmen des Verbandes nur RIB konsequent auf eine Teilnahme. Andere, wie beispielsweise Graphisoft, Nemetschek und Softtech, waren mit einem bescheideneren Auftritt als sonst und nur durch ihre lokalen Distributoren auf der Messe präsent. Dafür nutzten einige »Außenseiter« die Chance, sich stärker zu profilieren.
So zum Beispiel IT-Concept, deren großflächiger Messestand als einziger sogar einen bestuhlten Vortragsbereich aufwies. Zu sehen war dort neben der aktuellen ARCHline-Version eine neue Lösung für das mobile grafische Grundrissaufmaß namens ROOMline. Die Software setzt einen PDA mit Microsoft Pocket PC 2003 als Betriebssystem voraus. Auf diesem werden per Stifteingabe die einzelnen Räume skizziert und anschließend, vom Programm geführt, mit den notwendigen Maßangaben versehen. Letzteres kann sowohl manuell als auch durch die Übernahme der Werte eines via Bluetooth verbundenen Laser-Distanzmessgerätes geschehen. Nachdem alle benötigten Maße erfasst sind, wandelt die Software die Skizze »auf Knopfdruck« in eine maßstabsgerechte Zeichnung um. In dieser können dann Fenster und Türen, aber auch wandunabhängige Objekte wie Treppen, Säulen und Möblierung ergänzt werden. Das Ausrichten und Zusammenfügen der Einzelräume erfolgt – wie in einigen anderen Programmen dieser Gattung – durch Zuordnung der jeweils korrespondierenden Türöffnungen. Wer möchte kann (zur Dokumentation oder als multimediale Notizen) vor Ort aufgenommene Fotos, Videos oder Audiodateien mit dem Grundriss verknüpfen. Für die Übertragung der Aufmaßzeichnungen auf die stationäre Festplatte und den Export der Pläne in den Dateiformaten DXF, ARCHline XP und XML ist ein Zusatz-programm für den Desktop PC zuständig.
Autodesk präsentierte die neuen Versionen von AutoCAD und des Architectural Desktop (ADT). Dabei erinnerten die augenscheinlichsten Neuerungen in AutoCAD 2007 stark an die beliebte 3D-Entwurfssoftware SketchUp (mittlerweile im Besitz von Google). Zum einen durch die sehr ähnlichen, einfach zu handhabenden Werkzeuge zum Bearbeiten von konzeptionellen 3D-Massenmodellen. Zum andern durch die »Stile« für die Bildschirmdarstellung, beispielsweise in der Art von Freihandskizzen, die nicht als reiner Visualisierungseffekt angeboten werden, sondern als Anzeigemodus, in dem sich ganz normal arbeiten lässt. Realistische Bilder mit präzise simulierten Lichteffekten verspricht die nun in AutoCAD integrierte Render-Engine »mental ray«. Wer Pläne als PDF-Dokument weitergeben möchte, kann diese jetzt direkt mit dem neuen AutoCAD erzeugen. Selbstverständlich sind alle Neuerungen von AutoCAD 2007 auch im ADT 2007 enthalten. Hinzu kommen in der Hochbaulösung unter anderem eine neue Funktion zum Konvertieren von Liniengrafiken in 3D-Treppen, zusätzliche Möglichkeiten bei der Bemaßung sowie Erweiterungen bei den Bauteillisten.
Tekla zeigte die aktuelle Version von TEKLA Structures. Das vollparametrische CAD-System für den Stahl- und Stahlbetonbau arbeitet im Sinne des BIM (Building Information Modelling) mit einem zentralen 3D-Modell, von dem sämtliche Plandarstellungen und alphanumerischen Auswertungen assoziativ abgeleitet und somit bei Änderungen automatisch aktualisiert werden. Die 3D-Software kann auch die vierte Dimension Zeit in die Planung mit einbeziehen, um den Bauablauf vorab zu simulieren oder um Termine und die Auswirkung von eventuellen Verschiebungen während der Ausführungsphase grafisch zu kontrollieren. Routinearbeiten bei der Konstruktion und Planerstellung lassen sich durch vom Benutzer definierte Vorlagen und Regeln effizienter abwickeln oder sogar vollständig automatisieren. Letzteres beispielsweise zum Generieren von Verbindungsdetails im Stahlbau entsprechend der Dimension und Lage der zu verbindenden Profile. Zu den Neuerungen in TEKLA Structures 11.3 gehören unter anderem eine überarbeitete IFC-Schnittstelle, ein verbesserter Vorlageneditor (zum Beispiel für Planköpfe) und ein Zeichnungsassistent zum schnelleren Erstellen von Bauteilzeichnungen. Mit der Statiksoftware von Dlubal kann TEKLA Structures über eine direkte Schnittstelle kommunizieren (beide Programme müssen dazu auf demselben Rechner ablaufen). Dies funktioniert für die Bemessung von Stahlträgern bidirektional, das heißt, die optimierten Querschnitte können einfach in die CAD-Planung übernommen werden. Eine entsprechende Automatik für die Bewehrung von Stahlbetonbauteilen ist in Vorbereitung.
Die Hamelner First AEC hat den Vertrieb von ArCon eingestellt, die ehemals damit betrauten Mitarbeiter sind nun in der neu gegründeten »Schwesterfirma« FirstInVision tätig. Diese stellte auf der Messe die neue Software CasCADos erstmals der Öffentlichkeit vor. Die CAD-Software arbeitet mit einem 3D-Gebäudemodell aus »intelligenten« Bauteilen. Aus diesem Modell werden die benötigten Plandarstellungen abgeleitet und mittels der 2D-Funktionen nachbearbeitet und ergänzt. Zeichnungen – auch in unterschiedlichen Maßstäben – lassen sich in einer »Planzusammenstellung« platzieren. CasCADos verspricht Assoziativität zwischen 3D-Modell und den von diesem abgeleiteten Plänen: Änderungen im Projekt führt das Programm automatisch in allen relevanten Plandarstellungen nach. Die integrierte Echtzeit-Visualisierung liefert sogar Schatten und Spiegelungen, sofern die verwendete Grafikkarte DirectX 9 beherrscht. Für die schnelle Darstellung verwendet CasCADos eine aus 3D-Spielen bekannte Technik: Komplexe 3D-Objekte beinhalten mehrere »Levels of Detail«. Ist solch ein Objekt weit vom Betrachter entfernt, also nur sehr klein zu sehen, wird beim Rendering eine detailreduzierte Variante verwendet. Dies spart zum einen Rechenzeit beim Rendern, zum andern auch Grafikspeicher, so dass selbst die Echtzeitvisualisierung sehr ausgedehnter Szenerien – zum Beispiel ganzer Siedlungen – möglich sein soll. Speziell für die fotorealistische Visualisierung von Um- und Anbauten sind die »projektiven Texturen« von CasCADos gedacht, eine von FirstInVision entwickelte Technik, mit der Realbilder und gerenderte Objekte kombiniert werden können.
Obwohl nicht mehr bei der First AEC, war ArCon trotzdem auf der Messe zu sehen: Ganz offensichtlich bei der Eleco GmbH, die schon seit geraumer Zeit die Rechte an der Software besitzt und nun erstmals selbst als Aussteller präsent war – und »versteckt« am Stand von Cosoba, in deren AVA.relax ArCon integriert ist. Dies verspricht eine optimale Kopplung von CAD und AVA. Wer hingegen statt ArCon eine andere CAD-Software zur Konstruktion in Kombination mit AVA.relax verwenden möchte, ist auf den »konventionellen« Weg der Datenübergabe via GAEB-Datei angewiesen.
Fazit Die nächste ACS wird laut Ankündigung der Organisatoren wieder zusammen mit der Light + Building in zwei Jahren stattfinden. Allerdings sollten sich die Veranstalter bis dahin einiges einfallen lassen, um die Messe für die Aussteller (und damit auch für das Publikum) wieder attraktiver zu machen. Sonst könnte die Prophezeiung »das war die letzte ACS«, die an verschiedenen Ständen zu hören war, durchaus eintreffen. jr
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Eleco Software GmbH Herrmannstraße 3 31785 Hameln Tel. (05151) 7879927 www.eleco-software.de
First AEC Software GmbH Hefehof 7 31785 Hameln Tel. (05151) 9000 www.firstaec.de
FirstInVision Software GmbH Hefehof 7 31785 Hameln Tel. (05151) 900900 www.firstinvision.de
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