Köln und seine jüdischen Architekten

Von Wolfram Hagspiel. 464 Seiten mit fast 1000 Abb., gebunden, 69,95 Euro. J.P. Bachem Verlag, Köln 2010

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Die Beschäftigung mit dem jüdischen Erbe der Stadt ist in Köln ausgeprägter als in anderen deutschen Städten. Davon zeugt u. a. das städtische NS-Dokumentationszentrum. Diese Quelle, aber auch zeitgenössische Bauzeitschriften und Adressbücher hat der Kunsthistoriker Wolfram Hagspiel für sein lexikonartig aufgebautes Buch gründlich konsultiert, außerdem sein eigenes, seit 1975 geführtes Archiv Kölner Bauten. So bietet das fast 500 Seiten umfassende Werk einen höchst spannenden, lebendigen Einblick in die Architektur Kölns ab etwa 1900. »Typisch jüdische« Architektur gibt es nicht zu sehen, vielmehr qualitätvolle zeitgenössische Bauten: von der Hohenzollernbrücke über Kaufhäuser bis hin zu Villen und ganzen Siedlungen. Dem Bauen für die jüdische Gemeinde ist jeweils ein eigenes Unterkapitel gewidmet. Im Verlauf der Recherche entdeckte der Autor vier einflussreiche Architekten, deren Bauten er umfangreiche Einträge einräumt: Manfred Faber, Georg Falck (125 Seiten), Helmut Goldschmidt, Robert Stern. Dann wieder gibt es Namen, zu denen weder Lebensdaten noch Werk erhalten sind, die der angestrebten Vollständigkeit halber aber aufgenommen wurden. Insgesamt werden 44 Architekten aufgeführt, darunter eine Frau, eine Innenarchitektin. Auch Bauingenieure, Studenten und Angehörige anderer Bauberufe wurden aufgenommen; u. a. spiegelt sich darin die zunehmende Drangsalierung jüdischer Architekten, die ab 1934 nur noch für jüdische Bauherren arbeiten und später nicht einmal mehr ihre Berufsbezeichnung führen durften, wider. Die Einträge bestehen aus einer Biografie und detaillierten Projektbeschreibungen. Durch Querverweise werden Kontakte der Architekten untereinander, mit Bauherren und späteren Kollegen sichtbar: So arbeitete O. M. Ungers einige Jahre mit Helmut Goldschmidt zusammen. Auch wird erwähnt, welche Bauten heute noch stehen. Die wenigen Mängel des Buchs – Flüchtigkeitsfehler oder endlose Aufzählungen ohne optische Strukturierung – zu nennen, ist angesichts der ungeheuren Informationsfülle vielleicht kleinlich, doch verlieren gerade diese Fakten dadurch ein wenig an Wert. Die Relevanz des Werks insgesamt schmälern sie nicht.