kirchen, synagogen, moscheen

~Matthias Castorph

Christliche Kirchen werden geschlossen, Synagogen wieder erbaut und Moscheen zu Zankäpfeln. Unter dem Titel »Synagogen, Kirchen, Moscheen – Religionen und ihre Räume in unserer Gesellschaft« lud der Werkbund Bayern zum Symposion in die profanierte Karmeliterkirche in München ein. Man ging der Frage nach, welche Auswirkungen es hat, wenn einerseits Kirchen aus dem Blickfeld verschwinden und gleichzeitig die islamischen Gemeinschaften aus den Hinterhöfen in die Öffentlichkeit treten, auf die Sichtbarkeit ihres Glaubens in Form gebauter Architektur bestehen und auch die Errichtung neuer Synagogen zur ostentativen Geste wird.
Erfreulich war die konstruktive Betrachtung der komplexen Sachverhalte. Statt larmoyantem Beklagen der Zustände erörterte man die Potenziale des Wandels. Denn selbst, wenn z. B. in den nächsten Jahren im Bistum Essen fast hundert Kirchen aufgegeben werden müssen, erscheint es möglich, dass die wichtigsten Bauten (auch die der gefährdeten Moderne) in ihrer Kernsubstanz erhalten werden und zumindest stadträumlich »die Kirche im Dorf« bleibt. Kirchenräume werden zu »Möglichkeitsorten«, in denen mittlerweile fast alle Nutzungen denkbar sind (lediglich die Umwandlung zu Moscheen scheint heute noch ausgeschlossen). Dies sei eigentlich nichts Neues, referierte Wolfgang Pehnt: Denn in Kirchen wurden Krönungen gefeiert, kamen Ratsversammlungen zusammen, wurden Rechtsgeschäfte abgeschlossen, Feste gefeiert, Theaterstücke aufgeführt, wurde Asyl gewährt und Fürsorge geleistet. Auch die Umnutzung zu Lagern und Ställen anstelle des Abrisses in der Säkularisation hat zumindest die bauliche Substanz über die Zeit gerettet. Und was den städtischen Kontext betrifft: Bereits im Nolli-Plan von Rom (1748) zeigt sich, dass Sakralräume als öffentliche Räume gelesen werden können. Es ist ein Erfolg, wenn dies auch bei neuen Moscheen und Synagogen gelingt. So berichteten nicht nur Architekten über die Neubauten von Synagogen (Wolfgang Lorch) und Moscheen (Alen Jasarevic), sondern auch die Vertreter der lokalen Glaubensgemeinschaften (Marian Offman, München, und Benjamin Idriz, Penzberg) über die positiven Erfahrungen im Miteinander von Glaubensgemeinschaft und Bevölkerung und das große Interesse an den Neubauten (z. B. 130 000 Besucher der Münchener Synagoge). Deren Räume sind zwar nicht immer offen, aber im Bewusstsein doch öffentliche Orte geworden. Es könnte, entgegen aller Bedenken, Sicherheitsfragen und Ressentiments, eine Entwicklung sein, in der öffentliche Räume von hoher architektonischer Qualität, außerhalb des Konsumzwangs der Shoppingwelten der Innenstädte, entstehen.
Man kann dem Werkbund zu dieser sehr konzentrierten und intelligenten Veranstaltung insgesamt nur gratulieren, was zum einen an der sorgfältigen Auswahl der Gäste, deren präzisen Vorträgen und der gut moderierten Podiumsdiskussion (Wilhelm Warning, BR), aber eben auch an der räumlich-architektonischen Fokussierung der Fragestellung lag.