Historische Wiederaufbauten englischer Landhäuser

Der denkmalpflegerische Umgang mit klassischen Landhäusern nach Bränden (1875-1914). Von Anne Bantelmann-Betz. Gebunden, 275 S. m. 145 Abb., 49 Euro, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2013

Fast monatlich berichteten im 19. Jahrhundert englische Zeitungen von einem Brand in einem der vielen weitläufigen Landhäuser. Der Grund lag oft in der Konstruktion aus Holz, z. T. kombiniert mit verwinkelten Grundrissen. V. a. aber lieferten hölzerne Einbauten und von Generationen gesammelte Textilien und Kunstgegenstände dem Feuer Nahrung. Was passierte aber nach einem Brand? Wovon hing es ab, ob die Häuser abgerissen, als Ruine belassen, verändert oder »originalgetreu« (d. h. wie vor dem Brand) wiederhergestellt wurden? Die Antwort ist komplex, aber nicht überraschend: Je länger die letzte Renovierung (oder Errichtung) zurücklag, je jünger und je weniger verbunden mit dem Bauwerk der Besitzer war, je mehr Geld außerdem zur Verfügung stand, desto wahrscheinlicher war es, dass das Gebäude in veränderter Form wiederaufgebaut wurde.

Was das Buch – ursprünglich eine Dissertation an der BTU Cottbus – in erster Linie so lesenswert macht, ist die detaillierte Einbettung des Themas in den zeitgeschichtlichen Rahmen anhand zahlreicher Quellen. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Veränderung der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation der Landhaus-Besitzer zwischen 1875 und 1914, die als bis dato staatstragende Schicht einen tiefgreifenden Machtverlust erlebten. Von der Erläuterung der externen und internen Funktionen der Häuser gelangt die Autorin zur detaillierten Beschreibung der Brandfolgen in zwei Landhäusern, die hinsichtlich des Umgangs nach dem Brand zwei Gegenpole darstellen. Dabei wird auch die Rolle der sich eben entwickelnden Denkmalpflege einbezogen, unter deren Einfluss die Frage nach der Betrachtung der Bauten als »nationales Erbe« diskutiert wurde. Weitere 44 Landhäuser – von mindestens 100, die zwischen 1875 und 1914 durch Feuer ganz oder stark zerstört wurden – werden kurz mit Foto aufgeführt. Das Buch ist übersichtlich gegliedert, erfreulich klar und mit spürbarer Begeisterung geschrieben; Missvergnügen bereiten nur die (zumeist aus dem Englischen induzierten) Schreib- und Grammatikfehler.
~dr