Herbsttagung Baukultur!

~Urte Schmidt

Skepsis und Zweifel auf der einen, Hoffnungen und Erwartungen auf der anderen Seite – die Stiftung Baukultur, die wohl Anfang nächsten Jahres mit Sitz in Potsdam offiziell starten wird, findet unter Architekten bereits jetzt große Beachtung. Das zeigte die von der Initiative Architektur und Baukultur am 27. Oktober in Berlin veranstaltete Tagung, die »Baukultur«mit einem Ausrufezeichen versehen hatte. Wie vielschichtig das Thema ist, zeigten die beispielhaften Präsentationen: Nicht nur Hochbauten, auch Projekte aus den Bereichen Denkmalpflege, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Bauhandwerk wurden gezeigt. Gemeinsam mit dem Ingenieur Josef Seiler stellte HG Merz die Station Z der Gedenkstätte Sachsenhausen vor. Auch Regine Leibinger von Barkow Leibinger und Eva Nolden von Trumpf betonten die gute Zusammenarbeit bei der Umstrukturierung des Werksgeländes des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf in Neukirch. Ironisch hingegen präsentierte Markus Allmann das »Haus der Gegenwart« in München, das vollständig von Sponsoren vereinnahmt ist.
Besonders eindrucksvoll in diesem Kontext waren aber die Projekte, die ihren nachhaltigen Erfolg der Kooperation mit Bewohnern sowie einer Stiftung verdanken. Im Lübecker Aegidienhof, neu geplant von Rainer Steffens, leben Menschen aus sehr unterschiedlichen Alters- und Einkommensgruppen. Viele von ihnen engagierten sich bereits in der Planungsphase für die Gemeinschaftswohnanlage. Erst nach einer Auszeichnung gab es auch finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
Am Ende des Tages gab es aber auch Kritik: Bemängelt wurde die häufige Geringschätzung von Ingenieursleistungen bei Architekten und der Fachpresse. Vermisst wurde beispielhafte Baukultur aus dem Osten – in der Tat lag der Schwerpunkt auf den südlichen Bundesländern.Doris Gruber vom Präsidium des BDA Berlin stellte abschließend fest, nicht die hier Anwesenden gelte es noch für das Thema zu begeistern, vielmehr seien die Impulse einer solchen Veranstaltung nach außen zu tragen.