Heraus- forderung

Für ein ehemaliges Brauereiquartier am berühmten, zentral gelegenen Frauenplan in Weimar, an dem auch Goethe wohnte, lobte die Stadt Anfang der neunziger Jahre einen städtebaulichen Ideenwettbewerb aus, den Meck Architekten aus München für sich entscheiden konnten und der letztlich auch zu einem Auftrag führte.

Das zweiflügelige Bibliotheks- und Hörsaalgebäude fügt sich in die von vier Straßen eingefasste heterogene Baustruktur des Frauenplan ein und ordnet die Räume innerhalb des Blockes neu. Der Gebäudekomplex gliedert sich in das Hauptgebäude und einen Verwaltungstrakt, die beide über einen Zwischenbau verzahnt sind. Das vorhandene Gefälle von rund vier Metern von Süden nach Norden nutzten die Architekten, um die unterschiedlichen Eingangsebenen über eine Freitreppe zu verbinden und großzügige Eingangssituationen und Foyers für Bibliotheks- und Hörsaalgebäude zu schaffen.
Der schlanke Hauptflügel mit Bibliothek und Hörsaal lässt dabei einen Platz im Innern des Quartiers entstehen. Der spitzwinklig zum Hauptflügel verlaufende schmale Büroriegel schließt die südöstliche Ecke des Areals und flankiert einen weiteren Hof mit Durchgang zum Frauenplan.
Die Bibliothek ist das Kernstück des Gebäudes. Komplett mit massivem Eichenholz ausgekleidet, ist sie als hölzernes Modul in die Gebäudekubatur eingestellt und eine Reminiszenz an die im September 2004 ausgebrannte Anna-Amalia-Bibliothek. Das Bibliotheksgebäude grenzt sich durch seine Formensprache vom historischen Bestand ab, nimmt mit der Farbigkeit der Fassade dennoch den Bezug zur lokalen Bautradition auf, die geprägt ist von verputzten Fachwerkhäusern.
Analog hierzu erhielt die Betonfassade des Neubaus eine bewusst ungleichmäßige, händisch nachgearbeitete Außenhaut. Der Bau wurde komplett in Beton erstellt, ohne jede Anforderung an die Oberflächenqualität. Die rohe Fassade wurde gespachtelt, geschliffen und anschließend in einem für Weimar typischen dunkelgrauen Farbton lasiert. Es entstand eine Oberfläche mit Unregelmäßigkeiten und lebendigen Texturen. Das Einbringen des Betons ist ebenso ablesbar wie seine Nachbearbeitung.
Die transparente Wirkung der verwendeten Lasurtechnik mit Produkten des Unternehmens Keimfarben verstärkt dabei die plastische Struktur des Untergrundes. Im Innern sind Reminiszenzen an die Bauhaus-Architektur und ihre bewusste Farbigkeit festzustellen. Die Wandflächen sind Kante an Kante dunkelgrau und weiß gestrichen, braunrot beschichtete Trennwände und Türen setzen Akzente. Keimfarben lieferte die passenden Beschichtungsmittel auf Silikatbasis. »Biosil« ist eine Innenfarbe, die durch ihre hohe Diffusionsfähigkeit für ein gutes Raumklima sorgt und laut Unternehmensangaben ökologisch unbedenklich ist. ~rm
Keimfarben GmbH & CO. KG www.keimfarben.de