Heinz Isler (1926–2009)

~Stefan Polónyi und Wolfgang Walochnik

Als Dischinger und Bauersfeld 1926 die Stahlbeton-Kugelschale für das Planetarium in Jena fertiggestellt hatten, wurde Heinz Isler in Zollikon in der Schweiz geboren. Er war gerade zehn Jahre alt, als Eduardo Torrojas Kugelkalotte für die Markthalle in Algeciras entstand, und als Felix Candela seine HP-Schalen baute, studierte Isler an der ETH Zürich Bauingenieurwesen. Nach seinem Diplom 1950 arbeitete er drei Jahre als Assistent von Pierre Lardy, ehe er 1954 in Burgdorf ein eigenes Ingenieurbüro eröffnete.
Das wichtigste Problem im Schalenbau – so formulierte Isler – ist die Formgebung. Candela verwendete gerade Bretter als Schalung, die für Regelflächen besonders geeignet sind. Für das Klima und die Mentalität in Mexiko waren die sich nach außen öffnenden Formen angebracht. In der Schweiz jedoch sucht man eher die Geborgenheit; statt gegensinnig gekrümmter baute Isler bevorzugt gleichsinnig gekrümmte Schalen. Je nach architektonischer Aufgabe muss eine Schalenform einerseits den Raum optimal abgrenzen und andererseits den Naturgesetzen des Tragverhaltens für die vorkommenden Beanspruchungen bestmöglich folgen. Isler fand diese Formen experimentell oder durch freies Modellieren. Schalen müssen auch wirtschaftlich sein; weil Islers Schalen nur Druckspannungen bekommen, konnte er die Dachabdichtung einsparen. Bei guter Betonqualität ist eine 8 cm dicke, rissefreie Stahlbetonschale für Jahrzehnte wasserdicht. Die Rissefreiheit wird primär durch die Form, gegebenenfalls durch Vorspannung gewährleistet. Isler baute wunderbare Rotations- und Translationsflächen auf fünf, vier, drei Punkten gelagert, mit freien oder aufgekrempelten Rändern. Er baute seine Schalen auf Stahlrohrgerüsten mit gebogenen Trägern und Sparlattung, worauf er die Dämmplatten als verlorene Schalung legte. Sehr früh hat er sich auch mit tragenden Bauteilen aus Kunststoff beschäftigt. Mit über 1 400 ausgeführten Schalen, vorwiegend in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland, hat er weltweite Anerkennung erfahren. Beim Siegerentwurf für das Münchener Olympiastadion war auch Heinz Isler als Ingenieur im Team.
1983 erhielt Heinz Isler die Ehrendoktorwürde seiner Alma Mater und wurde Honorarprofessor an der Universität Karlsruhe. Er starb kurz vor seinem 83. Geburtstag am 20. Juni in Bern. Die »Schalenfamilie« der IASS trauert um ihren liebenswerten, hochgeschätzten Kollegen, unser Beileid gilt seiner Frau Maria.