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Günther Domenig (1934-2012)

Er wollte unbedingt bauen, aber nicht um jeden Preis. Kompromisse waren nicht die Sache des am 15. Juni in Graz verstorbenen Architekten Günther Domenig. Der hielt unbeirrbar an seiner Vision guter Räume fest, weil er davon überzeugt war, dass nur mit höchstem künstlerischen Anspruch ersonnene Räume die Individualität der Menschen stärken und Konformität und Stagnation verhindern können. Als er erkannte, dass er das »Steinhaus«, sein eigenes Haus am Ossiachersee, nicht ohne finanzielle Hilfe fertigstellen und erhalten können würde, schien er das Interesse daran zu verlieren. Domenigs Opus Magnum, das seine eigene Biografie und Vorstellungen vom Bauen am intimsten spiegelt und an dem er 22 Jahre lang plante und baute, ging 2008 in eine Stiftung über, die es für Ausstellungen, Konzerte und als Architekturwerkstatt öffnet. Der Architekt selbst imaginierte sich in seinen letzten Jahren in eine uns verborgene Welt, in der er sein Haus regelmäßig und uneingeschränkt aufsuchte, ohne je wieder physisch dort anwesend zu sein.
Domenigs Radikalität, die Architektur als Ergebnis eines kreativen künstlerischen Akts sah, ist aus der Zeit seiner Anfänge heraus, aus der Fantasielosigkeit und Uniformität des Wiederaufbaus zu verstehen. Obwohl er anfangs internationale Strömungen aufnahm und weiterentwickelte, etwa im Projekt Neue Wohnform Ragnitz (1969), einer radikal neuen Vision des Wohnens mit seinem damaligen Partner Eilfried Huth, oder 1972 im Pavillon der Olympiaschwimmhalle in München, einer begehbaren Plastik, kristallisierte sich bald jene Handschrift heraus, die Domenigs Schaffen fortan charakterisierte. Seine Häuser sind gebaute Skulpturen – vielfach gebrochen, dynamisch und expressiv geformt –, lange vor Frank Gehry oder Zaha Hadid. Mit der Z-Bankfiliale (1979) in Wien-Favoriten gelang es dem Architekten, seinen internationalen Rang zu begründen, freilich kaum im eigenen Land, wo ihm lange Zeit nur der Rang eines besessenen Außenseiters zugestanden wurde. Domenig war der kreative Geist, der sich zur Realisierung Partner suchte, die bereit waren, seine überbordende Expressivität in eine stringente Form zu übersetzen, die immer noch die Kraft haben musste, »ein leuchtender Solitär in einer Welt trivialer Profanbauten« (Peter Noever) zu sein. Der Speisesaal der Schulschwestern (1977, s. db 8/2011, S. 48-52), das Dokumentationszentrum in Nürnberg (2001) oder das T-Mobile-Center (2004) in Wien-St. Marx mit Architektur-Consult, das den Stadtraum eindrucksvoll dominiert, belegen dies ohne Zweifel über die Zeit von Moden hinaus.
~Karin Tschavgova
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